Im Augenblick. | Inga
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Wie sehr traust du dich zu lieben?  Wir kannten uns nicht mal ein halbes Jahr als wir zum ersten Mal darüber redeten unser ganzes Leben miteinander zu verbringen. Nach zwei Jahren kauften wir gemeinsam einen Verlobungsring und machten offiziell, was wir im Grunde schon von Anfang an wussten. Ein halbes Jahr später sagten wir „Ja“ und knapp fünf Wochen nach unserer Hochzeit stand ich morgens in unserem winzigen Badezimmer, in meiner Hand einen Schwangerschaftstest mit zwei Strichen.    Man sagte uns nach, unsere Beziehung sei rasant und oh, das war sie....

Ich fühlte mich mies. So mies wie man sich nur fühlen kann, als ich den Weg zum Kindergartentor lief, im Ohr das Weinen meiner Tochter. Mir liefen die Tränen übers Gesicht und auf einmal fand ich mich in genau der Situation in der ich doch niemals sein wollte. Die ich unter allen Umständen verhindern wollte. Nur wenige Tage zuvor hatte euch in den Stories erzählt: „Ich lasse meine Tochter nicht weinend zurück. Niemals.“ Und doch tat ich soeben genau das. Ich wusste nicht einmal genau wie ich in...

Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern das mich begleitete als ich den Text zu deinem ersten Geburtstag schrieb. Ich war stolz, berührt, beeindruckt und sehr, sehr glücklich. Es war der 27. Juli 2017, ich saß am Esstisch in unserer alten Wohnung und klickte mich durch die Fotos deines ersten Jahres auf dieser Welt. Heute, ein Jahr später sitze ich mit genau demselben Gefühl wieder an eben jenem Tisch, der noch immer leicht wackelt und schreibe einen Text für dich, denn morgen wirst du zwei Jahre...

„Wir brauchen noch Wasserbausteine,“ sage ich zu Franz während ich auf meinem Handy die Kleinanzeigen-App öffne und „Wasserbausteine“ in die Suchleiste eingeben. 0 Treffer. Hätte ich mir ja denken können. „Was zum Teufel sind eigentlich Wasserbausteine? Und wo kriegt man die her?“, frage ich laut und merke erst, dass meine Frage ins Leere geht, als ich das Klappern der Kaffeetassen aus der Küche höre. „Wir müssen die L-Steine noch holen“, ruft Franz mir zu. „Was zum Teufel sind denn jetzt L-Steine?“ frage ich mich. „Klar,“ rufe ich zurück....

2. Dezember 2015 Schwanger. Stumm stehe ich im winzigen Badezimmer unserer alten Wohnung und starre auf zwei rote Streifen. „Ich bin schwanger“, in Dauerschleife murmele ich diesen Satz vor mich hin, während mein Blick zum Spiegel wandert und ich mir selbst in die ungläubigen Augen blicke. „Ich bin schwanger“, sage ich. „Oh mein Gott, ich muss es Franz sagen“, denke ich. „Ich bin schwanger“, sage ich. „Oh mein Gott, der kommt erst in ACHT STUNDEN“, denke ich. „Ich bin schwanger“, sage ich. „Oh mein Gott, mein ganzes Leben wird...

„Morgen geht es los“. Franz und ich sitzen in einer kleinen Pizzeria, unsere Hände liegen auf dem Tisch, die Finger ineinander verschlungen, während wir ganz klischeehaft auf Pizza, Salat und Rotwein warten. „Morgen geht es los“, sagt er noch einmal, seine Worte klingen dumpf, so als hätte er vergessen sich selbst daran zu erinnern, dass er sich doch eigentlich freuen sollte. Ich habe einen Kloß im Hals, versuche zu lächeln während ich die Tränen in meinen Augenwinkeln wegblinzle. Ganz fest halte ich seine Hand, nie möchte ich sie...

„Du kannst das nicht“. Es ist, als würde das weiße Blatt Papier mich hämisch anstarren. Der Cursor blinkt spöttisch. Blink. Blink. Blink. Ich finde es klingt eher wie „Ha. Ha. Ha“. Ich weiß, dass Cursor generell eher weniger reden können, aber in meiner Phantasie führe ich manchmal ganze Streitgespräche mit Gegenständen oder ausgedachten Figuren. Freja und ich picknicken zum Beispiel regelmäßig mit ihrem Teddybär „Saruman“, dem Schaf „Schaf“ sowie unserer unsichtbaren Freundin Frau Rotkohl, benannt nach selbiger Person aus „Das Sams“. Frau Rotkohl ist generell mit allem und...

„Mama“. Es scheint mir als dringe ein leiser Ruf in meinen Traum. „Mama“. Gedämpft höre ich meinen Namen, oder sollte ich eher sagen, meinen Titel? „Mama“, was ist das überhaupt? Eine Bezeichnung? Ein Kosewort? „Maaaaamaaaaaaa“. Die Stimme wird nachdrücklicher und obwohl sie immer noch so klingt als käme sie aus weiter Ferne, wage ich eines meiner Augen zu öffnen und zu blinzeln, um den Ursprung des Rufens zu ermitteln. Ich erwarte in das freudenstrahlende Gesicht meiner Tochter zu blicken, wie jeden Morgen, um – wie jeden Morgen –...

Heute ist der 19. Mai 2018, 23:23 Uhr. Ich habe noch ganz genau 37 Minuten, dann werde ich 30 Jahre alt. Und wenn ich sage, genau 37 Minuten, dann meine ich das wortwörtlich, denn ich wurde um Punkt Null Uhr geboren. Vor fast 30 Jahren durften sich meine Eltern aussuchen, ob sie meinen Geburtstag lieber am 19. oder am 20. Mai feiern wollten. Ich fand es schon immer ziemlich cool, genau um Mitternacht geboren zu sein, denn irgendwie klingt es besonders, wenn man sagt: „Meine Eltern durften sich...