Im Augenblick. | Das Chaos gehört dazu.
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Das Chaos gehört dazu.

Das Chaos gehört dazu.

Ein Plädoyer gegen erzwungene Perfektion.

 

Als Mutter treffe ich erwartungsgemäß, spätestens wenn meine Kinder andere Kinder treffen, auf andere Mütter. Mütter, die ihr Leben minutiös strukturiert und überlegt geplant haben und den Plan auch abarbeiten. Und Mütter, die darüber stöhnen. Stöhnen, während sie mir ihren eigenen Plan erzählen.

Ich traue mich kaum zu sagen, „Dann mach es doch anders“, denn ich weiß: Meine Aufgabe ist jetzt Mitgefühl zu haben. Mitgefühl für diese gestresste Mutter, die in ein enges Korsett gepackt zum Wohle ihres Kindes, Opfer ihres eigenen Plans geworden ist. Auf die einfache Frage: „Warum machst du es dann?“  folgt Schnappatmung und fast panisches Entsetzen. Also höre ich zu. Erste Hilfe sozusagen. Und je länger ich zuhöre, umso entsetzter bin diesmal ich.

Schuld am desolaten Zustand der gestressten Mutter ist nämlich stets und immer das eigene Kind. Fordernd, undankbar, planlos und faul will es den tollen Plan der Mutter nicht erfüllen. Muss es aber. Und während die Mutter sich über das eigene Kind beschwert, gewinnt sie zunehmend an Halt. Sie hat den Schuldigen gefunden.

Ich gebe meinen Erste-Hilfe-Plan auf und stimme nicht zu. Trotz Schnappatmung und fast panischem Entsetzen meines Gegenübers bleibe ich standhaft und erkläre unsere Kinder für unschuldig. Ganz im Gegenteil. Ich habe großen Respekt vor diesen kleinen Rebellen des Alltags. Wie Recht sie haben. Es gibt nichts dem ich mehr vertraue als der ureigenen Wahrnehmung meiner Kinder.

Eine entspannte Mutter die Zeit und Verständnis aufbringt ist so viel wichtiger als alle Förderpläne. Eine durchhetzte Woche dient meist nur dazu sich wichtig zu fühlen und von den eigenen Problemen abzulenken. Kinder lassen das so nicht gelten und rebellieren treffsicher und punktgenau. Wer sie ernst nimmt und sich die Frage nach dem Warum stellt, ist auf dem richtigen Weg. Entspannung ist die Folge und schafft überhaupt erst die Grundlage für Entwicklung, aber diesmal auf beiden Seiten.

Natürlich kann ich dann am Ende der Woche keine Erfolgsbilanz ziehen und damit meinen Selbstwert aufpolieren. Stattdessen befinde ich mich vielleicht in einem gefühlten oder auch tatsächlichen Chaos. Und das ist auch noch für andere sichtbar.

Das ist also die Antwort auf die Frage „Warum machst du es dann?“. Es ist ein einfacher Weg um von meinem eigenen, inneren Chaos abzulenken. Um Annerkennung zu erhalten und  um meine eigenen traurigen oder wertlosen Gefühle nicht spüren zu müssen. Meine Kinder sind nicht undankbar, faul oder planlos. Sie sind im Gegensatz zu vielen Eltern oder generell Erwachsenen noch eng mit ihrer Intuition und Wahrnehmung verbunden. Sie wissen vielleicht nicht genau was es ist, aber sie wissen genau, dass etwas nicht richtig läuft. Und sie machen einfach nicht mit. Sie sind ehrlich.

Kinder ziehen jeden Schleier von der Wahrheit und machen sie immer dann sichtbar wenn jemand nicht hinschauen will. Das ist für sie nicht einfach oder bequem, ganz in Gegenteil. Meistens erwischt sie der ganze Ärger oder die angestaute Wut der Mutter über geplatzte Termine oder unangemessene Außendarstellung. Trotzdem wählen sie den Weg ihrer Wahrnehmung.

Ich liebe meine Kinder für diesen unangepassten, selbstbestimmten Weg und ich habe gelernt ihnen zu vertrauen. Das ist auch für mich nicht einfach oder bequem und wir befinden uns ab und an im Chaos aber wir haben gemeinsam gelernt: Das Ende ist immer gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

Familie_Berge-5

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