Im Augenblick. | Die Sache mit dem Stillen…
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Die Sache mit dem Stillen…

Als ich noch schwanger war mit Freja, da fragte ich mich, wie es sich wohl anfühlen würde, dieses Stillen. Ehrlich gesagt, fand ich die Vorstellung, ein Baby würde an meinen Brüsten saugen, durchaus befremdlich, es schien mir schlicht und einfach seltsam. Doch als es dann so weit war, und Freja zum ersten Mal trank, da war es das Selbstverständlichste auf der Welt. Ich habe das Stillen zwar niemals als etwas Magisches empfunden aber es war schön. Wirklich unheimlich schön. Es war richtig. Es fühlte sich an, als wäre alles genauso wie es sein sollte. Freja und ich, wir waren ein unschlagbares Team. Während sie trank, tippte ich meine Instagramtexte in mein Handy, war sie müde, stillte ich sie einfach in den Schlaf, konnte nichts und niemand sie beruhigen, stillen ging immer. Oh, und die Staubsauger-App, die war auch ganz gut …

Freja weigerte sich schon immer strikt sowohl einen Schnuller als auch eine Flasche zu nehmen. Beides spuckte sie wieder aus, so oft wir es auch versuchten, und ich schwöre euch, sie blickte dabei so angewidert drein als, hätte ich versucht sie mit Seife zu füttern, selbst als sie erst wenige Tage alt war und bestimmt noch gar nicht wusste wie man angewidert dreinblickt. Also stillte ich sie. Egal wann, egal wo. Es war einfach das Praktischste was es gab und für mich wurde es so selbstverständlich wie Zähneputzen.

Ich hätte niemals geglaubt, dass ich sie so lange stillen würde. Als Freja ein Jahr alt wurde, hatten wir zwar sämtliche Mahlzeiten durch Beikost ersetzt, aber Muttermilch war und blieb noch immer der Renner. Abstillen schien so weit entfernt, wie das Wort „Durchschlafen“ absurd klang und zuweilen machte ich mir Gedanken drüber, wie ich es anstellen sollte, dass dieses Mädchen vielleicht irgendwann auch ohne meine Brust einschlafen würde. Doch trotz dieser Gedanken (und dem immer größer werdenden Wusch irgendwann mal wieder ein Glas Wein zu trinken), kam es für mich nicht in Frage, Freja das zu nehmen was sie noch so sehr zu brauchen schien.

Das Stillen fühlte sich noch immer richtig an. Wichtig. Und schön. Es war dieses einzigartige, unglaublich zufriedene Schmatzen meiner Tochter, wenn sie begann zu saugen. Es waren ihre kleinen Händchen die behutsam nach meinem Gesicht tasteten, oder auch weniger behutsam an meinen Haaren zogen. Es war diese Ruhe mit der sie langsam in einen tiefen, entspannten Schlaf fand, während sie mich aus ihren wunderschönen blauen Augen unaufhörlich ansah, bevor sie ihr irgendwann einfach zufielen. Das Stillen bedeutet für uns beide eine sehr innige Zeit und so sehr ich mich auch auf ein Glas Wein freute, so genoss ich diese kostbaren Momente mit meiner Tochter mindestens ebenso.

Vor ein paar Wochen jedoch änderte sich etwas. Ich kann gar nicht genau sagen, was sich änderte, es war nur ein Gefühl, eine leise Ahnung davon, dass es so langsam dem Ende zuging mit dem Stillen. Davon, dass Freja es nicht mehr so sehr brauchte. Also beschloss ich abzustillen. Ich machte mir keinen Zeitplan, setzte mir keine Deadline. Ich wagte lediglich einen Versuch sie vor ihrem Mittagsschlaf anders in Bett zu bringen. Also kramte ich eine Flasche aus dem Tiefen unseres Schrankes, füllte sie mit einem Schuss Kuhmilch und goss ein wenig warmes Wasser darauf. Dann nahm ich meine Tochter, setzte mich mit ihr auf die Couch, legte sie ins Stillkissen und bot ihr die Flasche an. Dabei erklärte ich ihr, dass sie daran genauso nuckeln könne, wie an meiner Brust und als hätte sie mich verstanden, probierte Freja die Milch aus der Flasche. Sie nahm den Sauger in den Mund und trank. Ganz einfach. Als hätte sie nie etwas Anderes gemacht. Und dann schlief sie ein. Wie immer, mit ihrer Hand an meinem Gesicht, ihren Augen die in meine blickten. Es war nicht weniger innig, dafür aber ziemlich erstaunlich, hatte sie doch bis jetzt jegliche Art von Silikonsauger partout wieder ausgespuckt. Es war verrückt. Und ziemlich cool.

Abends und nachts stillte ich sie weiter wie ich es immer getan hatte. Erst eine Woche später begann ich damit, ihr auch nachts eine Flasche anzubieten. Die fand sie allerdings blöd, und erst als ich begann ihr vorzusingen und sie in meinen Armen zu wiegen, schlief sie wieder ein. Von da an machte ich genau das. Ich sang ihr vor und nahm sie in den Arm, wann immer sie aufwachte. Zwei Tage später schlief ich die erste Nacht seit einem Jahr mehr als sieben Stunden – am Stück.

Es war letzte Woche Donnerstag, als ich Freja dann zum letzten Mal stillte. Ich wusste, dass es das letzte Mal sein sollte. Nun ja, zumindest wusste ich, dass ich am nächsten Tag versuchten wollte ihr auch am Abend die Flasche zu geben, ob es tatsächlich funktionieren würde, musste ich noch ausprobieren, schließlich wollte ich nichts erzwingen. Ein Teil von mir freute sich darauf, ein anderer war beinahe traurig. Mein kleines Mädchen wurde tatsächlich groß. Doch als ich ihr am nächsten Abend die Flasche gab, und Freja ohne Probleme einschlief, merkte ich, dass ich gar nichts verlieren würde. Die Zeit zwischen uns, war ebenso innig wie sie immer gewesen war. Was uns verbindet ist ein Gefühl, keine Milch. Es war alles genau so wie es sein sollte. So wie Freja es brauchte. Ich hatte mir so viele Gedanken gemacht, über das Stillen – völlig umsonst. Ich hatte es einfach im Gefühl. Ich wusste vom ersten Moment an intuitiv wie dieses ganze Sache funktionierte. Ich wusste was ich tun musste, ich wusste, was Freja guttat. Und ich wusste, wann es für uns beide nicht mehr notwendig war, das Stillen. Und in dem Moment, als ich es dann versuchte, wusste ich auch wie das mit dem Abstillen ging. Ganz leicht. Ohne Druck. Ohne Weinen. Einfach so. Weil es richtig war.

Und so kam es, dass ich drei Tage später mein erstes Glas Rotwein nach zwei Jahren Abstinenz trank, ich mit einem wunderbaren Schwips zu Bett ging und erst am nächsten Morgen um sieben wieder aufwachte – neben einer zufrieden plappernden Freja, die soeben herausgefunden hatten wie sie aus dem Sauger ihrer Flasche mit zwei Fingern, Wassertropfen quetschen konnte, die sie genüsslich über meine Nase laufen ließ. Ja, ich glaube, alles war richtig.

 

 

 

2 Kommentare
  • Diana
    gepostet am 18:07h, 11 Oktober Antworten

    Du schreibst so wunder schön ich liebe es immer alles von dir zu lesen man fühlt sich immer als währe man dabei.
    Und deine Tochter ist echt ein Bild hübsches kleines Wesen

    • Inga
      Inga
      gepostet am 06:55h, 12 Oktober Antworten

      Och Diana, vielen lieben Dank – das freut mich unheimlich :).

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