Im Augenblick. | Einfach mal machen.
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Einfach mal machen.

„Wir brauchen noch Wasserbausteine,“ sage ich zu Franz während ich auf meinem Handy die Kleinanzeigen-App öffne und „Wasserbausteine“ in die Suchleiste eingeben. 0 Treffer. Hätte ich mir ja denken können. „Was zum Teufel sind eigentlich Wasserbausteine? Und wo kriegt man die her?“, frage ich laut und merke erst, dass meine Frage ins Leere geht, als ich das Klappern der Kaffeetassen aus der Küche höre. „Wir müssen die L-Steine noch holen“, ruft Franz mir zu. „Was zum Teufel sind denn jetzt L-Steine?“ frage ich mich. „Klar,“ rufe ich zurück. Bevor ich mich mit L-Steinen auseinandersetze, klären wir erstmal die Thematik mit den Wasserbausteinen. „Sag mal weißt du eigentlich genau was Wasserbausteine sind?“ Franz kommt auf mich zu, in der Hand zwei Tassen die verlockend duften und zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung“, antwortet er. „So Natursteine halt.“ „Wie viele brauchen wir denn ungefähr?“, stelle ich die nächste Frage. „Mhhh,“ er denkt nach, geht zum Fenster und scheint etwas im Kopf auszurechnen. „Ich schätze vier Tonnen“. Ich schlucke. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich mit bloßen Händen vier Tonnen Steine durchs Wohnzimmer in unseren Garten schleppen, dessen einziger Zugang leider Gottes das Haus ist. Ich denke: „Oh Gott“. Ich sage: „Komm, wir trinken erstmal Kaffee“.

Als ich nachmittags im Baumarkt arglos einen Mitarbeiter frage „Wo gibt’s denn hier die Wasserbausteine?“ antworte der nur: „WAS wollen Sie?“. „Wasserbausteine“, wiederhole ich. „Was issn das?“ kommt die erneute Rückfrage. „So Natursteine halt,“ erkläre ich „Eigentlich müssten SIE doch sowas wissen. Ich brauche vier Tonnen davon“. Der Mitarbeiter zuckt mit den Schultern, unterdrückt nicht sonderlich erfolgreich ein Grinsen und sieht mich an als ginge er in seinem Kopf soeben jeden einzelnen Blondinenwitz durch den er jemals in seinem Leben gehört hat. „Hammwa nicht“, kommt die endgültige Antwort, bevor er kopfschüttelnd in den Regalen verschwindet. Na toll. Wie zum Teufel komme ich nun an VIER TONNEN Steine?

Die Antwort kriegen wir auf der Rückfahrt. „Da, Franz guck mal … Halt’ an“, rufe ich und hüpfe auf meinem Sitz hin und her. „Warum?“, fragt er verständnislos. „Da liegt ein Haufen Steine, der genau so aussieht wie die Bilder die ich bei Google gefunden habe“. Wir sind an einem Baustoffhandel. Als ich den Mitarbeiter dort frage: „Haben Sie Wasserbausteine“, sieht er mich ähnlich verständnislos an wie sein Kollege vorhin im Baumarkt. Nur die Antwort ist eine andere. „Klar.“, sagt er. „Sehen Sie doch.“ „Kann man die kaufen, also auch als Privatperson?“, frage ich weiter. Er runzelt die Stirn. „Klar.“ „Auch vier Tonnen?“. Jetzt lacht er. „Hier liegen ungefähr 40 Tonnen davon. Also ja, Sie können vier Tonnen haben. Müssen sie nur selbst abholen“.

Am nächsten Tag schleppen wir also vier Tonnen Steine von dem besagten Haufen in unseren Anhänger. Und dann quer durchs Wohnzimmer in den Garten. Dort stapeln wir sie auf einen Haufen. „Jetzt müssen wir nur noch ne Mauer draus bauen“, sage ich ironisch und wische mir den Schweiß von der Stirn. Franz grinst mich an. „Erstmal müssen wir das Pflaster der alten Terrasse aufnehmen, ca. fünf Kubikmeter Erde abtragen, alles grade ziehen, den Sichtschutz erneuern, Fundamente gießen und Randsteine setzen. DANN machen wir die Mauer und pflastern neu.“ „Wollen wir nicht doch lieber Urlaub machen?“, frage ich. Er lacht. „Wir haben doch Urlaub.“

Knapp drei Wochen später habe ich gelernt wie man Steine ohne Mörtel aufeinander schichtet, sodass sie trotzdem bombenfest sitzen. Ich weiß jetzt wie man pflastert, Fundamente gießt und warum man Untergründe verdichtet. Und ich weiß, wie man vier Tonnen Wasserbausteine organisiert. Manchmal lohnt es sich, die Dinge einfach anzugehen. Irgendwie. Einfach Anfangen und drauf hoffen, dass irgendwo ein Haufen Steine liegt. Denn lernen kann man am besten, wenn man einfach mal macht.

 

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