Im Augenblick. | Erlaubnis geben.
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Erlaubnis geben.

Erlaubnis geben.

 

“Meine Oberschenkel sind so gewaltig, sie sehen aus wie bei einem Elefanten”. “Ich hasse meinen Bauch, selbst wenn ich ein paar Tage lang nichts esse, wird er kein bisschen flacher”. “Ich bin sowas von gar nicht fotogen. Ich glaube ich bin der unfotogenste Mensch auf der ganzen Welt.”

Seien wir mal ehrlich: Frauen neigen zu Übertreibungen. Wir sagen “fantastisch” an Stelle von “gut” oder “grauenvoll” anstatt, eben, “nicht so gut”. Doch wenn es um unseren eigenen Körper geht, dann meinen wir todernst was wir sagen. Jedes. Einzelne. Wort. Als Fotografin werde ich oft mit Ängsten und Zweifeln rund um das eigene Aussehen konfrontiert. Ich habe jedes der Zitate am Anfang des Textes Wort für Wort übernommen und ich kann euch versichern: Keines davon war auch nur ansatzweise übertrieben gemeint. Diese Frauen sagten mit völliger Selbstverständlichkeit schreckliche Dinge über sich selbst ohne, dass es ihnen großartig auffiel. Für sie war es einfach eine nüchterne Tatsache, dass wenigstens Teile von ihnen hässlich, unattraktiv oder sogar abscheulich waren.

Ich mache Fotos von so vielen wunderschönen Frauen und Mädchen und oft finde ich dabei heraus, dass sie sich nicht ansatzweise so sehen wie ich sie sehen kann.  Diese Tatsache machte mich oft nachdenklich und traurig, denn ich muss zugeben, dass auch ich zuweilen nicht unbedingt das beste Bild von mir hatte. Ich fragte mich, wie ich diesen Frauen glaubwürdig zeigen sollte, wie schön sie waren, wo ich mich doch in eben derselben Situation befand. Auch ich sah Fehler an mir, die Anderen im Traum nicht aufgefallen wären und auch wenn ich eine leise Ahnung hatte, dass dieses Problem keineswegs körperlicher Natur war, so dachte ich lange Zeit trotzdem nicht daran meine  Selbstwahrnehmung zu überdenken.

Trotzdem war es immer wieder erstaunlich, dass selbst die Frauen mit den größten Bedenken im Vorfeld sich auf ihren Fotos hinterher mochten und auch ich fand mich auf Bildern, die meine Mutter von mir machte durchaus hübsch. Was also lief bei einem Fotoshooting anders als in meinem Alltag?

Eines Tages sah ich, wie ein unsicheres Mädchen, das sich selbst nicht wirklich mochte (sie war diejenige, die ihre Oberschenkeln mit einem Elefanten verglichen hatte) vor meiner Kamera zu einer selbstbewussten, starken und verflucht schönen jungen Frau aufblühte. Sie hatte einfach aufgehört sich darauf zu konzentrieren wie sie dachte, dass sie aussah und besann sich stattdessen darauf, wie sie sich tatsächlich fühlte. An diesem Tag begriff ich etwas: Es geht immer darum, dass wir und trauen unsere Zweifel loszulassen und uns selbst Erlaubnis geben. Die Erlaubnis authentisch zu sein, auch wenn es sich seltsam anfühlt. Die Erlaubnis ehrlich zu sein, auch wenn es wehtut. Die Erlaubnis um Hilfe zu bitten, auch wenn wir doch alles alleine schaffen wollen. Und die Erlaubnis uns schön zu fühlen, auch wenn wir Angst davor haben uns zu zeigen.

Und natürlich die Erlaubnis unsere Oberschenkel NICHT mit denen eines Elefanten zu vergleichen. NIEMALS wieder.

KretschmerFotografie_465

 

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