Im Augenblick. | Hochzeitsperfektion.
2032
post-template-default,single,single-post,postid-2032,single-format-standard,admin-bar,no-customize-support,qode-quick-links-1.0,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode_grid_1300,qode-content-sidebar-responsive,qode-theme-ver-11.1,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.1.1,vc_responsive,no-js

Hochzeitsperfektion.

Hochzeitsperfektion.

Der Konkurrenzkampf zwischen den Bridezillas.

 

Noch 80 Tage, dann werde ich heiraten (ja, natürlich habe ich eine Countdown-App). Wenn ich ehrlich bin, kann ich es schon jetzt kaum noch erwarten. Obwohl ich schon so einige Hochzeiten begleitet habe, hätte ich nie gedacht, wie aufregend es sein kann die eigenen Eheringe abzuholen, wie glücklich es machen kann Lieder auszuwählen oder wie verzückt man die Menüfolge in einem PDF-Mailanhang betrachten kann. Nicht, weil nun endlich ein weiterer Punkt von der To-do Liste verschwindet, sondern weil einem mit jedem weiteren Schritt einmal mehr klar wird: Wow, ich werde heiraten. Hochzeitsvorbereitungen machen Spaß, finde ich zumindest. Doch anscheinend geht es nicht allen Paaren so. Magazine und Blogs suggerieren, dass man für den „perfekten Tag“ auch unbedingt die „perfekte Papeterie“ braucht und Fernsehsendungen schüren ja beinahe schon Panik, das die falsche Auswahl an Desserts oder ein paar Rüschen zu viel am Brautkleid das Missfallen einer ganzen Hochzeitsgesellschaft wecken könnte.

Kein Wunder also, dass ich seit meiner Verlobung nicht wenige Geschichten gehört habe, von Bräuten die im Angesicht ihres großen Tages anscheinend scharenweise zu „Bridezillas“ mutieren und ganze Familien samt Trauzeugen kollektiv in den Wahnsinn treiben. Getreu dem Motto „Perfektion bis zum letzten Detail“ ist die Planung einer Hochzeit heutzutage wohl ähnlich kompliziert wie eine geheime Mission der NASA. Wenn nicht sogar anspruchsvoller. Ich meine, die Tischkärtchen müssen zum Motto passen, die Gestecke zu den Brautschuhen, die Torte sollte ein gewisses Understatement wahren wohingegen die Tischdeko nicht pompös genug sein kann, die Gäste sollen vom Anfang bis zum Ende möglichst beeindruckt sein und WAS ZUM TEUFEL TUN WIR WENN ES REGNET?

Besser, schneller, spektakulärer oder einfach „Hauptsache anders“ – das ist anscheinend das Ziel vieler Hochzeiten. Ich frage mich dann manchmal: Wozu wird da noch geheiratet? Um einer bessere Party zu feiern als die der nicht allzu beliebten Schwägerin? Um alle Gäste mal so richtig vom Hocker zu hauen? Diese Gedanken liegen nahe, zumindest wenn man sich mal das Nachmittagsprogramm von Vox (oder sixx) anschaut und vier Brautpaaren dabei zusieht wie sie darum wetteifern wer an seinem großen Tag das beste Menü, Kleid oder die beste Stimmung hatte. Die Schiedsrichter sind andere Bräute, deren erklärtes Ziel es ist möglichst viel möglichst schlecht zu machen, schließlich will Braut ja gewinnen. Darum geht es doch bei der eigenen Hochzeit. Oder etwa nicht?

Ich finde es wirklich bedenklich wie viele Menschen mit Hochzeitsplanung anscheinend Stress, überzogene Perfektion und Bräute am Rande des Nervenzusammenbruchs verbinden. Auf der anderen Seite ist das nicht wirklich verwunderlich, wenn Hochzeiten nicht selten als eine Art Wettbewerb dargestellt werden, dabei geht es doch streng genommen weder um Kleider noch um Tischdeko oder das ultimative Hochzeitsmenü. Es geht um zwei Menschen die sich lieben. Zwei Menschen die sich ein Versprechen geben, den Rest ihres Lebens Seite an Seite zu verbringen. Dieses Versprechen kann man sich in Jeans und T-Shirt ebenso geben wie im weißen Ballkleid und Anzug. Man kann es zu zweit mit einem Glas Wein ebenso gebührend feiern wie mit einem opulenten Mahl und 200 Gästen. Für dieses Versprechen sind sowohl Tischkärtchen als auch Blumensträuße im Grunde völlig egal. Das einzige was zählt ist, dass zwei Menschen sich gefunden haben. Und es sollte verdammt noch mal einfach nur Spaß machen, sich darauf vorzubereiten – egal wie.

Auch unsere Hochzeitsvorbereitungen werden bestimmt noch viel Zeit in Anspruch nehmen, doch ich bin mir sehr sicher, dass der Moment in dem sie mir keine Spaß mehr machen und stattdessen in Stress ausarten niemals kommen wird. Ich bin wirklich glücklich darüber, dass ich in den letzten Jahren so viele Brautpaare begleiten durfte die das genauso sehen: Wenn eine Hochzeit nicht perfekt ist, kann sie trotzdem wunderschön werden. Ich bin mir sicher, dass selbst Tischordnungen Spaß machen können, weil: Hey, es geht um meine Hochzeit. Und die ist das Beste was ich mir vorstellen kann.

Keine Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

Zur Werkzeugleiste springen