Im Augenblick. | Lass‘ uns ein Baby kriegen. Oder doch nicht?
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Lass‘ uns ein Baby kriegen. Oder doch nicht?

Als wir uns dazu entschieden ein Kind zu bekommen, hatten Franz und ich grade geheiratet. Wir hatten schon vor unserer Hochzeit beschlossen: „Hinterher können wir es ja versuchen“, und auch wenn ein Teil von mir sich seltsam aufgeregt fragte wie es wohl sein würde einen Schwangerschaftstest zu machen, so war die Entscheidung eine Familie zu gründen keine die ich von Anfang an mit völliger Sicherheit und Begeisterung traf. Ich traf sie eher mit einem flauen Gefühl im Magen und der großen Frage: „Bin ich tatsächlich schon bereit dafür, mein altes Leben aufzugeben?“.

Ich mochte unser Leben wie es war, ich mochte unsere Beziehung. Wir hatten hart dafür gearbeitet uns eine gemeinsame Basis aufzubauen und hatten damals eine Ebene erreicht auf der wir uns gegenseitig endlich so richtig verstanden, uns jeweils mit unserer eigenen Kindheit auseinandergesetzt und dafür gesorgt hatten, dass sie unser Zusammenleben nicht mehr sabotieren konnte. Ich hatte im Grunde alles, wovon ich immer geträumt hatte und auch wenn ich durchaus Kinder haben wollte, so frage ich mich doch: Wäre es nicht besser noch ein paar Jahre zu genießen was wir hatten? Ohne Verpflichtungen? Ohne eine so große Verantwortung? Wollte ich nicht vielleicht erst noch ein bisschen Zeit in meine Karriere investieren, schließlich hatte ich es immer gemocht zu arbeiten und mich auch intellektuellen Herausforderungen zu stellen? Ich fragte mich damals ernsthaft, ob ich dazu bereit war mein ganzes Leben von einem anderen Menschen bestimmen zu lassen und fand diese Vorstellung tatsächlich ein wenig gruselig.

Trotzdem waren Franz und ich uns sicher, dass wir gemeinsam eine Familie gründen wollten und weil mir im Grunde auch keine wirkliche Antwort einfiel auf Franz’ Frage für welche Dinge ich denn konkret noch Zeit haben wolle, wagte ich es schließlich dieser seltsamen Aufgeregtheit in meinem Inneren zu vertrauen und mich drauf einzulassen, auf meine eigene Familie.

Es war ein Montag an dem ich eigentlich die erste Pille der neuen Packung hätte nehmen müssen. Ich weiß noch wie ich morgens im Badezimmer stand, mir selbst vor dem Spiegel in die Augen blickte, das knisternde Blister in der Hand drehte und schließlich ungeöffnet beiseitelegte. Ich redete mir ein, ich hätte schließlich noch 12 Stunden, nur für den Fall, dass ich mich doch anders entscheiden würde, doch im Grunde wusste ich von Anfang an, dass ich es nicht mehr in die Hand nehmen würde. Es war ein Moment der sich anfühlte wie der Beginn eines echten Abenteuers, ich kam mir eigenartig verwegen vor, mutig. Und ein bisschen verrückt. Okay, ich erklärte mich selbst für vollkommen verrückt, schließlich hatte ich soeben der wohl größten Veränderung meines Lebens gestattet zu passieren, dabei hatte ich KEINEN BLASSEN SCHIMMER auf was ich mich das einließ.

Ihr müsst wissen, ich bin kein sonderlich großer Fan von Veränderungen und auch wenn ich sie für durchaus sehr wichtig erachte, so machen sie mir doch auch immer ziemlich viel Angst und das was ich übers Kinderkriegen und Kinderhaben las und hörte, trug nicht unbedingt dazu bei diese Angst zu lindern. Beziehungen die kaputtgehen, Mütter die nur noch mit Babybrei in den Haaren herumliefen, Schlafentzug, das Ende von Partys und Ausgehen. Warum zum Teufel sollte man so etwas wollen? Ja, ich sprach auch mit Müttern die sagten wie sehr sie ihre Kinder liebten und das berührte mich auch durchaus, doch im Nachhinein kann ich sagen, dass niemand auch nur im Ansatz in der Lage ist zu beschreiben welche wahnsinnige, wunderbare, verrückte Liebe mit einem Kind in das eigene Leben kommt. Die Schwierigkeiten jedoch, die lassen sich sehr plastisch und sehr gut in Worte fassen und vielleicht ist das genau der Knackpunkt.

Ich konnte mir durchaus vorstellen, keine einzige Nacht mehr in den Armen meines Mannes zu verbringen. Ich konnte mir vorstellen, hilflos mit einem brüllenden Kind durchs Wohnzimmer zu wandeln. Ich konnte mir vorstellen niemals mehr als drei Stunden am Stück zu schlafen. Und Gott, was war diese Vorstellung SCHRECKLICH. In Großbuchstaben. Was ich mir nicht vorstellen konnte, war die Tatsache, dass ich dieses Kind was unter Umständen in meinen Armen brüllen würde, so sehr lieben würde, dass ich all’ diese Dinge nicht einmal ansatzweise schlimm finden würde. Ich konnte mir nicht vorstellen wie sehr ich es liebte, dass meine Tochter die Nächte auf der Brust ihres Vaters verbrachte und nur dort so ruhig schlief. Ich konnte mir nicht vorstellen welche wahnsinnige Nähe dort entsteht wo eine Mutter ihr brüllendes Kind beruhigt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein Körper einen solchen Hormon-Push bekommen würde, dass es mir rein gar nichts ausmachte nur drei Stunden am Stück zu schlafen (zumindest anfangs ….). Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass ich mein Leben als Mutter nicht eine einzige Sekunde lang würde eintauschen wollen. Nicht für alle Partys der Welt. Nicht für die beste Karriere überhaupt. Ja, nicht einmal für meine Ehe – auch wenn ich mir sicher bin, dass ich niemals vor dieser Entscheidung stehen werde.

Ich werde oft von Frauen angesprochen, die noch keine Kinder haben und mir erzählen, sie hätten Angst welche zu bekommen. Das hier war die Antwort. Jeder muss für sich selbst herausfinden, ob eine Familie für ihn oder sie persönlich der richtige Weg ist oder nicht, niemals werde ich jemandem raten können, was er oder sie tun soll. Was ich aber tun kann, ist meine eigene Geschichte zu erzählen, eine andere Seite der so oft thematisierten Probleme, von denen ich sehr gut verstehen kann, dass sie jeder Nicht-Mutter unheimlich sind. Ich meine, niemand will sich mit seinem Partner nur noch über Babykacke unterhalten. Niemand findet Brei in den Haaren erstrebenswert. Und niemand will nur noch etappenweise schlafen können. Für mich jedenfalls, waren diese Probleme trotz allem so viel winziger im Vergleich zu dem Erlebnis Mutter zu sein. Alleine schon die Tatsache, dass nur kurze Zeit nachdem ich mich an diesem Montag im Badezimmer unserer alten Wohnung dazu entschied die Pillenpackung zur Seite zu legen, in meinem Körper meine Tochter entstand. Dass in mir Leben entstand. Das ist nämlich schlichtweg der Wahnsinn.

 

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1 Comment
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    Carina Neff
    Posted at 13:21h, 17 Januar Antworten

    Hey,

    ich habe deinen Blog heute entdeckt und ich bin begeistert!
    Danke für diesen wertvollen Text und deine wertvolle Botschaft mit diesem Blog ganz allgemein. Ich habe auch sehr lange bevor ich Mutter wurde Mumblogs gelesen und mich auch oft von den Berichten über all die Schwierigkeiten mit Kind verunsichern lassen. Das gleiche passiert mir übrigens gerade wieder, wenn ich mir versuche vorzustellen wie ich zwei Kinder händeln würde. 😀

    Doch im Endeffekt ist Kinder kriegen die schönste Lektion des Lebens dir bedingungslose Liebe zu zeigen und dich selbst zu erkennen. Das beste Persönlichkeitsentwicklungscoaching der Welt also. 🙂

    Danke, dass du den Fokus von all der Anstrengung auf die schönen Seiten lenkst. Ich werde hier sicher öfter lesen.

    Alles Liebe

    Carina

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