Im Augenblick. | Mach‘ doch was Richtiges.
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Mach‘ doch was Richtiges.

„Mach‘ doch was Richtiges…“ 

…du hast doch ’nen guten Abschluss.

 

Worum geht es im Leben? Eine beinahe philosophische Frage mit so vielen Antwortmöglichkeiten, dass es fast schon ein wenig verrückt ist sie überhaupt zu stellen. Warum nicht gleich nach dem Sinn des Lebens fragen? Daran haben sich schon so einige mehr oder weniger bekannte, mehr oder weniger verrückte und mehr oder weniger verzweifelte Menschen die Zähne ausgebissen. Ohne ein befriedigendes Ergebnis.

Worum geht es im Leben? Obwohl ich garantiert nicht philosophisch veranlagt bin (nach einem halben Jahr Philosophie hatte ich die Nase voll, von dem ganzen „Was wäre wenn“, dass ich stattdessen dann doch wieder Religion belegte),  habe ich mir diese Frage schon oft gestellt. Obwohl, vielleicht müsste ich sie ein wenig modifizieren. Es müsste eher heißen: Worum geht es in meinem Leben?

Ich hatte in meinen Leben schon so manche Pläne und große Träume. Ich wollte nichts lieber als Journalistin werden, arbeitete für die Schüler- und Tageszeitung, beim Radio und später auch für Online-Magazine. Doch nach ein paar Jahren Lokaljournalismus begann ich an meinem Berufswunsch zu zweifeln. Ein kurzes aber deswegen nicht weniger schreckliches Praktikum bei einer Modezeitschrift war dann das Ende. Nie wieder wollte ich so arbeiten, ich war kreuzunglücklich. Das war’s dann mit meinem großen Traum, Journalistin adé. Als ich von meiner Entscheidung erzählte, mein Praktikum vorzeitig abzubrechen erntete ich nicht wenige hochgezogene Augenbrauen. „Warum hältst du nicht einfach durch? Sind doch nur drei Monate.“

Ich habe auch mal eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt in einer Marketingagentur zu arbeiten und das zu machen, wofür man doch eigentlich studiert: Karriere. Das machten schließlich alle so. Vierzehnstündige Arbeitstage, schlechtbezahlte Praktika und ein sauteures Auslandsstudium sind da nur der Weg zum Ziel, immer mit der Begründung: „Später wird es sich auszahlen.“ Doch wann ist später? Als ich mich entschied, zurück nach Kempen zu gehen und mit meiner Mutter zusammen zu arbeiten, anstatt es doch wenigstens mal mit der Karriere zu versuchen, war das für viele vollkommen unverständlich. „Du hast doch einen guten Abschluss, warum machst du nicht was Richtiges?“. Die Antwort war: Weil mir allein die Vorstellung eher Bauchschmerzen verursachte als dass sie mich glücklich machte. Eine Antwort, die nicht viel zählte. „Da muss man einfach mal die Zähne zusammenbeißen. Ein bisschen Gegenwind hat noch keinem geschadet, das musst du halt aushalten wenn du was erreichen willst.“

Aushalten. Pläne verfolgen. Karriere machen. Besser sein als die Anderen. Schneller, jünger, härter. Darum scheint es im Leben nur allzu oft zu gehen. Wir sollen den Erwartungen genügen oder am besten noch über sie hinauswachsen und fragen uns dabei viel zu selten: Um wessen Erwartungen geht es hier überhaupt? Sind das tatsächlich meine eigenen? Oder sind das die meiner Eltern, meiner Freunde oder gar die der Gesellschaft?

Für mich war es weder eine leichte Entscheidung, mein Praktikum abzubrechen, noch war es einfach, zurück nach Kempen zu ziehen, doch gab eine Frage, die half mir dabei. Ich fragte mich:“ Worum geht es eigentlich in meinem Leben?“. Die Antwort darauf war wiederum ziemlich leicht. Ich wollte ich selbst sein. Mit meinen eigenen Maßstäben, meinen eigenen Träumen und meinen eigenen Ideen sie wahr werden zu lassen. Ich wollte für das kämpfen, was mir am Herzen lag, einen Weg finden mir meine innersten Wünsche zu erfüllen, dafür war ich bereit alles zu tun. Aber nicht für etwas, das sich nicht richtig anfühlte. Keine Karriere im klassischen Sinne. Keine Modezeitschrift. Nicht einen Tag Durchhalten, obwohl ich kreuzunglücklich bin. Stattdessen eine Kleinstadt. Liebe. Familie. Fotos. Und ab und an ein paar Texte. Keine Mode, sondern einfach nur ich.

Inga-1

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