Im Augenblick. | Mia und der Weihnachtswunsch.
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Mia und der Weihnachtswunsch.

Mia und der Weihnachtswunsch.

Eine Geschichte.

 

Heute ist mein erster Urlaubstag und ich muss sagen: So langsam komme ich ein bisschen in Weihnachtsstimmung. Und weil ich finde, dass es zwei Tage vor Heiligabend auch auf dem Blog ruhig mal ein bisschen weihnachtlich-zauberhaft werden kann,  gibt es heute auch für euch einmal etwas ganz anderes. Keine Fotos. Sondern eine Geschichte.

Eine Weihnachtsgeschichte für Kinder. Ich habe sie für meine kleine Schwester Mia geschrieben. Mia, müsst ihr wissen, klettert lieber auf Bäume als dass sie liest. Aber weil Lesen nun mal wichtig ist, haben wir beide einen Deal gemacht: Ich schreibe ihr eine eigene Geschichte. Sie muss sie allerdings komplett selber lesen. Was soll ich sagen, es hat geklappt. Ziemlich gut. Und weil Mia der Meinung war, dass noch viel mehr Kinder diese Geschichte lesen sollten, steht sie jetzt hier online. Vielleicht versetzt sie ja auch euch (oder eure Kinder) ein bisschen in Weihnachtsstimmung. Viel Spaß beim Lesen.

Und ein riesiges Dankeschön an Svenja Jöres für die wunderbaren Bilder.

 

Mia und der Weihnachtswunsch

Auf den ersten Blick war Mia ein ganz gewöhnliches Mädchen. Sie war zwölf Jahre alt. Oder zehn. Sie hatte braunes oder blondes Haar und ihre Augen glänzten grün oder blau, je nachdem. Sie lebte entweder in einem kleinen Dorf oder in einer großen Stadt, das kam drauf an. Sie mochte Pferde. Oder Bücher. Oder Fußball. Sie war mal traurig, mal glücklich und es gab auch Momente, in denen konnte sie ganz schön wütend werden. Mia war entweder ziemlich gut in der Schule oder eher gut darin, nicht so gut zu sein. Sie liebte Marmelade oder Leberwurst, Schokolade oder Gummibärchen und manchmal auch alles zusammen. Man könnte sagen, Mia war ein Mädchen genauso wie du oder wie ich.

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Mia führte auf den ersten Blick auch ein ganz gewöhnliches Leben. Jeden Morgen wurde sie von ihrer Mutter geweckt, manchmal auch von ihrem Vater. Meistens wollte sie lieber noch ein wenig schlafen, doch davon wollten ihre Eltern nichts wissen, selbst dann nicht wenn sie ihnen vorschlug sie könne am Sonntag auch den Frühstückstisch decken. Erwachsene waren doch zuweilen höchst merkwürdig. Sie musste auch jeden Morgen einen Apfel in ihren Schulranzen einpacken, dabei aß sie doch so oder so nur das Brot mit Nutella. Nun ja, so hatte sie wenigstens immer einen Leckerbissen für Oskar in der Tasche. Oskar war das Pony an dem auf dem Weg zum Bus vorbeiging. Und auf dem Rückweg natürlich noch einmal. Meistens bekam er am Morgen die eine Hälfte des Apfels, am Mittag dann die zweite, sie wollte schließlich nicht, dass ihm schlecht wurde. Mia hatte mal gehört, Pferden können nicht schlecht werden, aber das glaubte sie nicht so recht. Warum sollte es den Pferden anders gehen als ihr? Deswegen gab sie Oskar auch nie ihr Nutellabrot, denn es wusste ja jedes Kind, dass Pferde keine Schokolade vertrugen. Im Grunde wusste Mia auch gar nicht ob Oskar tatsächlich Oskar hieß, denn sie hatte ihn höchstpersönlich so genannt. Nachdem sie ihn wochenlang nur mit „Hallo Pony“ begrüßt hatte, fand sie er verdiene nun wirklich einen richtigen Namen. Außerdem sah er aus, als würde er Oskar heißen.

Mia ging jeden Tag in die Schule, so wie man es eben macht, wenn man zwölf oder zehn Jahre alt ist. Nachmittags musste sie dann immer viel zu viele Hausaufgaben machen. Dabei saß sie am Küchentisch und sah die meiste Zeit aus dem Fenster. Viel lieber hätte sie dort draußen etwas gespielt, doch dann wurde ihre Hose schmutzig, egal wie sehr sie auch aufpasste. Sie hatte keine Ahnung wie die Flecken immer auf ihre Knie kamen, doch wenn sie da waren dann zog ihre Mutter die Augenbrauen hoch um Mia wusste ganz genau, dass sie heute lieber nicht fragte ob sie vor dem schlafen gehen noch ein bisschen fernsehen durfte. Wie gesagt, Mias Leben war in Etwa ebenso gewöhnlich wie eine Packung Toastbrot. Bis auf eine winzigkleine Ausnahme. Immer wenn es Mia zu langweilig wurde, dann kniff sie ihre Augen ganz fest zusammen, drehte sich drei mal in Kreis (ohne hinzufallen!), klatschte zwei mal laut und ein Mal leise in die Hände und schnipste dann mit den Fingern. Einmal rechts, einmal links. Natürlich.

Wenn sie dann die Augen wieder öffnete war sie jemand anders. Sie konnte sein, wer sie wollte, sie musste nur ein klares Bild im Kopf haben wenn sie die Augen schloss, sonst kamen die verrücktesten Kombinationen dabei heraus. Einmal war sie eine halbe Astronautin und eine halbe Primaballerina gewesen. Das hatte vielleicht komisch ausgesehen.

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Es war Dezember. Überall wo man hinging duftete es nach Lebkuchen und vor der Kasse im Supermarkt gab es massenweise Schokonikoläuse. Immer wenn Mia mit ihrer Mutter einkaufen ging, fragte sie ob sie einen davon mitnehmen dürfe, doch davon wollte ihre Mutter nichts wissen. Nicht einmal einen klitzekleinen durfte sie einpacken. Dabei wollte Mia doch nur verhindern, dass die Schokolade schlecht wurde. Niemand konnte so viele Nikoläuse verkaufen. Das reichte ja für mehr als die ganze Stadt. Wer sollte die denn alle essen, wenn kein Kind an der Kasse einen mitnehmen durfte? „Warte ab bis der echte Nikolaus kommt, der bringt dir bestimmt einen aus Schokolade mit“, sagte Mias Mutter dann immer mit einem geheimnisvollen Lächeln.

Mia mochte die Weihnachtszeit. Alles leuchtete und glitzerte und im Radio liefen Lieder, die mit hellen Glöckchen untermalt waren. Außerdem durfte sie Plätzchen backen und dabei so viel Teig essen , bis der Bauch fast weh tat. Und dann noch mehr. Jeden Tag gab es eine kleine Überraschung aus dem Adventskalender und endlich las ihr Vater wieder das Buch mit den Wichtelgeschichten vor. Im Juni wollte er das nie.

Doch so sehr sie die Weihnachtszeit auch liebte, es gab da eine Sache, die Mia in diesem Jahr keine Ruhe lies. Heute war Montag, noch eine knappe Woche bis zum heiligen Abend und sie saß mal wieder gedankenverloren am Küchentisch, vor ihr ein aufgeklapptes Schulheft, die Seiten noch leer. Verträumt zwirbelte sie eine ihrer Haarsträhnen zwischen den Fingern und sah aus dem Fenster. Es könnte doch endlich einmal schneien, schließlich war es schon fast Weihnachten und Weihnachten ohne Schnee war fast so wie ein Schulbrot ohne Nutella. Eigentlich sollte Mia gerade Mathehausaufgaben machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, die Zahlen wollten einfach nicht in ihrem Kopf bleiben. Es war als flutschten sie ihr, kaum im Gehirn angelangt,  sofort wieder zu den Ohren heraus. Mia seufzte. Im Grunde beschäftigte sie  so oder so nur ein einziger Gedanke. Ein schlimmer Gedanke. Einer, den sie nur zu gerne auch dazu bringen würde ihr einfach durch die Ohren aus dem Kopf zu flutschen, doch er saß so fest als hätte man ihn mit dem besten Klebstoff der Welt dort hingeklebt, wo eigentlich die Zahlen sein sollten.

„Pff, Mia wir sind doch keine Babys mehr. Glaubst du echt noch ans Christkind? Das gibt es gar nicht,“ das hatte Alex vor zwei Wochen in der Schule zu ihr gesagt.  Er hatte auch noch gesagt, dass es ihre Eltern seien, die alle Geschenke im Laden kaufen und unter den Baum legen würden. Das Glöckchen klingelten sie auch. Kein Christikind. Das bedeutete auch, dass es keine Weihnachtselfen gab. Keinen Schlitten. Keine Engelchen die Plätzchen backen, wenn der Himmel sich abends rot färbt. Keinen Nikolaus. Und keine Wünsche die an Weihnachten immer auf wundersame Weise in Erfüllung gingen. Mia konnte und wollte es nicht glauben. Natürlich gab es das Christkind. Oder nicht? Jedenfalls hatte der Alex aus der Schule sie dazu gebracht, dass sie an nichts anderes mehr denken konnte. Was, wenn er Recht hatte? Konnte das sein? Zumindest würde das erklären, warum am 6. Dezember derselbe Schokonikolaus in ihrem Stiefel gesteckt hatte, den sie ihrer Mutter zwei Tage zuvor an der Kasse gezeigt hatte. „Denn will ich haben“, hatte Mia gesagt. „Den und keinen anderen“.

Je länger sie darüber nachdachte, desto betrübter wurde Mia. Ihre Mathehausaufgaben hatte sie schon längst vollkommen vergessen und nun war ihr selbst der nicht vorhandene Schnee gleichgültig geworden. Als ihre Mutter, beladen mit zwei prall gefüllten Einkaufstüten in die Küche gestürmt kam, einen Schwall kalte Luft im Schlepptau, und freudestrahlend verkündete, sie können heute den ganzen Nachmittag Plätzchen backen, zuckte Mia nur kurz mit den Schultern. So schlimm war es schon geworden. Doch plötzlich, ja ganz plötzlich hatte Mia eine Idee. Eine großartige Idee.

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So schnell sie konnte sprang sie von ihrem Stuhl auf und rannte Richtung Wohnzimmer. Das Schulheft fiel auf den Boden. Erst vor dem Bücherregal blieb sie stehen. Fieberhaft ließ sie ihren Finger über die Buchrücken gleiten. Wo war es bloß? Mia suchte das Buch mit den Wichtel- und Elfengeschichten. Da war es endlich. Sie klappte es auf und wie durch Zauberhand landete sie sofort auf der Seite die sie gesucht hatte. Es war das einzige Bild das es in dem ganzen Buch gab. Es zeigte ein Mädchen mit einem spitzen Hut, einem langen Rock aus Tüll und bunten Bändern im Haar. Es war wunderschön.  Mia war sich ganz sicher. So sahen Weihnachtselfen aus.

Sie warf einen letzten Blick auf das Bild, prägte es sich ganz genau ein und kniff dann entschlossen die Augen zusammen. Mia drehte sich drei mal im Kreis (ohne hinzufallen!), klatschte zwei mal laut und ein Mal leise in die Hände und schnipste dann mit den Fingern. Einmal rechts, einmal links. Natürlich. Vorsichtig öffnete sie die Augen und blickte an sich hinunter. Innerlich jubelte sie. Es hatte funktioniert. Mia trug nun ein dunkelrotes Kleid, mit einem langen Rock aus Tüll. Ihre Füße steckten in winzigen, goldenen Schläppchen und ihre Strumpfhose war übersäht mit tausenden von kleinen Sternen. Als sie vorsichtig ihre Hände zum Kopf hob, ertastete sie den spitzen Hut und auch die Bänder in den Haaren waren da. Ein breites Lächeln huschte über ihr Gesicht. Mia war nun ein Weihnachtself. Sie konnte gar nicht beschreiben wie erleichtert sie war. Der Stein, der von ihrem Herzen fiel war bestimmt so groß wie drei Elefanten auf einmal. Ach was, er war bestimmt so groß wie ein Blauwal und Blauwale waren soweit Mia wusste die größten Tiere auf der ganzen Welt. Mindestens 520 Meter wurden die lang. Bestimmt. Wenn sie nämlich ein Weihnachtself war, dann musste es Wehnachtselfen auch tatsächlich geben. Und dann gab es bestimmt auch das Christkind. Erleichtert seufzte Mia auf. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie vor lauter Erleichterung noch gar nicht dazu gekommen war sich umzusehen. Wo sie wohl war?

Sie stand auf einer Art goldenem Balkon mit glänzendem Boden und verschnörkeltem Geländer. Die Stangen glitzerten im Licht wie tausende von winzigen Kristallen. Sie formten Schneeflocken und kleine blitzende Sterne. Mia staunte. Das war wahrhaftig das Schönste was sie je gesehen hatte. Vorsichtig tippte sie mit der Fingerspitze gegen das Geländer und sprang erschrocken zurück als auf einmal eine Wolke goldener Staub davon stob. Hoffentlich hatte sie nichts kaputtgemacht. Ganz langsam näherte sie ihr Gesicht dem Geländer um die Stelle zu betrachten, die ihr Finger berührt hatte, da hörte sie auf einmal ein helles Lachen hinter sich. „Keine Angst, da geht nichts kaputt“, sagte ein Mädchen, das ähnlich gekleidet war wie sie, nur dass ihr Kleid dunkelblau schimmerte und sie ihre langen Harre zu zwei Zöpfen geflochten hatte. Bei näherer Betrachtung fiel Mia auf, dass auch die Bänder fehlten.

„Du kommst wohl nicht von hier, oder?“, fragte das Mädchen neugierig? „Nein“, sagte Mia schnell. „Eigentlich sollte ich gerade Mathe machen.“ „Mathe?“ fragte das Mädchen erstaunt. „Ja, Mathe,“ sagte Mia, weil ihr beim besten Willen nichts Besseres einfiel. „Aha“, sagte das Mädchen. Ihr schien auch nichts Besseres einzufallen. Eine Weile standen sich die beiden schweigend gegenüber, bis Mia sich traute die Frage zu stellen, die ihr auf dem Herzen brannte, seitdem sie das Mädchen gesehen hatte. „Bist du ein echter Weihnachtswichtel“, fragte sie vorsichtig. In ihrer Aufregung hatte sie sich versprochen. Das Mädchen lachte auf. „Sehe ich aus wie ein Wichtel?“, gab sie zurück. Sie schien ein ganz kleines bisschen verärgert, doch als sie in Mias fragendes Gesicht sah, wurde sie neugierig. „Hast du denn noch nie einen Wichtel gesehen?“ Mia schüttelte heftig den Kopf, doch dann, plötzlich als hätte sie einen Geistesblitz gehabt schlug sie sich mit der Hand vor die Stirn. „Entschuldige bitte, ich meine natürlich Weihnachtself.“ Das Mädchen lächelte. „Ja, natürlich bin ich ein Weihnachtself. Ich heiße Frieda.“ „Ich bin Mia“, sagte Mia.

Wieder standen sie voreinander und sahen sich an ohne ein Wort zu sagen. Die Stille wurde fast schon unerträglich und irgendwann konnte Mia nicht mehr an sich halten. „GibtesdasChristkindwirklich?“, platze es aus ihr heraus. Der ganze Satz klang wie ein Wort, so schnell hatte sie ihn gesagt. Frieda blickte sie verständnislos an. „Natürlich gibt es das Christkind. Sonst gäbe es mich ja wohl auch nicht, oder? Was soll denn ein Weihnachtself ohne das Christkind?“ Verwirrt schüttelte sie den Kopf. „Bist du nicht auch ein Weihnachtself?“. Mia blickte an sich herunter. Erst jetzt fielen ihr wieder das rote Kleid, der Hut und die Strumpfhose mit den Sternen ein. Sie hatte ganz vergessen, dass sie ja nun aussah wie ein Weihnachtself. Sie zögerte. „Ich bin Mia“, sagte sie nur.

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Frieda lächelte. „Achso,“ sagte sie mit einem verschwörerischen Augenzwinkern. „Ich habe verstanden. Du bist also Mia. Willkommen im Weihnachtshimmel.“ Mia strahlte bis über beide Ohren. Sie war tatsächlich im Weihnachtshimmel. Jetzt erst fiel ihr auf, dass sie hinunterblicken konnte auf eine weiche, weiße Schicht aus etwas das aussah wie Watte. „Das sind die Wolken“, sagte Frieda erklärend. Mia staunte nicht schlecht. So also sahen Wolken von oben aus. Am liebsten wäre sie sofort hineingesprungen, so weich und einladend sahen sie aus. Wie ein riesengroßer Haufen Zuckerwatte. Doch wahrscheinlich würde sie einfach hindurchpurzeln und wieder auf der Erde landen und das wäre wirklich zu schade. Das wollte sie lieber nicht riskieren.

Mias Blick wanderte also stattdessen ein bisschen höher. In der Ferne erkannte sie etwas, das sah aus wie ein riesiger Stern. Mit einem Balkon. Und da waren noch mehr. Je länger sie über das goldene Geländer in die Ferne blickte, desto mehr Sterne sah sie. Manche waren recht klein und einfach, andere sehr groß und beinahe herrschaftlich mit vielen verschiedenen Balkonen aus verschnörkelten goldenen Stangen. Mia beugte sich so tief über das Geländer vor ihr, dass sie beinahe hinübergefallen wäre und blickte herunter. Tatsächlich. Auch sie stand auf einem Stern. Auf einem Stern mit Balkon. Der ganze Weihnachtshimmel war wie das Wohngebiet in dem sie mit ihrer Familie wohnte, nur mit Sternen statt Häusern und statt langweiligen Straßen gab es Zuckerwattewolken. Es war zum Verrücktwerden, so schön war es hier.

Zwischen den Sternen bemerkte Mia nun unzählige, kleine glitzernde Kugeln. Wie leuchtende Glühwürmchen flogen sie durch die Luft. Manche waren schnell wie der Blitz, andere kreisten umher als wären sie sich nicht sicher, wo sie hinwollten und wieder andere bewegten sich kaum, sie standen einfach still in der Luft oder ließen sich mit dem Windhauch treiben. Manche waren groß, andere klein. Manche leuchteten heller als andere, doch allesamt waren sie wunderschön anzuschauen. Plötzlich nahm eines der Glühwürmchen Kurs auf Mia. Sie sah nur aus dem Augenwinkel, wie es blitzschnell die Richtung änderte und auf sie zuflog, da war es schon ganz dicht vor ihrer Nase. Neugierig betrachtet Mia die kleine Kugel, die aus der Nähe ein bisschen so aussah wie eine goldene Walnuss. Für einige Augenblicke verweilte die Kugel vor Mias Gesicht, dann flog sie an ihr vorbei.

Sie flog auch an Frieda vorbei, die Mia fast schon vergessen hatte, und durch eine kleine Tür hinein ins innere des Sternes. Gerade wollte Mia Luft holen um Frieda zu fragen was es mit diesen seltsamen goldenen Walnüssen auf sich hatte, da passierte etwas. Der Boden wackelte. Erschocken hielt Mia sich am Geländer fest. Goldener Staub stob hinaus in die Luft. Immer mehr und mehr, bis der ganze Stern von einer glitzernden Wolke umgeben war, Mia mittendrin. Dann begann der Boden zu leuchten, danach das Geländer und schließlich glänzte der ganze Stern so schön wie man es sich nur vorstellen kann. Mia wusste gar nicht wie ihr geschah, doch das was hier passierte musste ein Wunder sein. Mit offenem Mund sah sie sich immer wieder um, drehte die Handflächen nach oben und ließ den glänzenden Staub hindurchfließen. Schließlich, nach ein paar Minuten war das ganze vorbei. Der Staub verschwand so schnell wie er gekommen war und der Stern leuchtete nicht mehr, auch wenn er immer noch ziemlich schön war.

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Auf einmal hörte Mia Friedas Stimme. „Das war ein Weihnachtswunsch. Gerade ist er in Erfüllung gegangen,“ erklärte sie nüchtern. „So sehen Weihnachtswünsche aus?“ fragte Mia, die ihren Mund noch immer nicht hatte schließen können. „Na klar, wie sollen die denn sonst aussehen?“, antwortete Frieda. „Sind das alles Weihnachtswünsche?“, fragte Mia und zeigte auf die umherfliegenden, goldenen Pünktchen. Frieda nickte. „Natürlich. Große Wünsche, kleine Wünsche, ganz verrückte Wünsche und heimliche Wünsche. Weißt du, zu Weihnachten, da wünschen sich die Menschen nämlich immer besonders viel.“ Frieda seufzte. „Leider können wir nicht jeden Wunsch erfüllen. Es gibt so viele Menschen auf der Erde, die sich zwar etwas wünschen aber nicht einmal ein klitzekleines bisschen daran glauben, dass ihr Wunsch auch in Erfüllung geht. Das kann natürlich nicht funktionieren. Ein Wunsch funktioniert nur wenn man auch ganz fest an ihn glaubt. Nur dann kann er wahr werden.“ Mia nickte. Sie hatte verstanden. Es war ja im Grunde auch ganz logisch. Wenn man nicht an einen Wunsch glaubte, konnte man sich ihn auch ganz sparen. Interessiert betrachtete sie noch einmal die unzähligen Wünsche. Welcher von ihnen wohl als nächstes in Erfüllung gehen würde? Sie drehte sich um und wollte Frieda danach fragen, doch die war plötzlich verschwunden. Mias Nase juckte. Oh, dieses Jucken kannte sie nur zu gut. Es war immer ein Zeichen dafür, das sie bald wieder sie selbst sein würde.

Mia kniff die Augen zusammen. Als sie sie wieder öffnete saß sie in ihrem Wohnzimmer auf dem Boden, um sie herum war das halbe Bücherregal verteilt. Die Tür ging auf sich und ihre Mutter sah herein. „Mia kommst du?“, fragte sie. „Wir wollten doch Plätzchen backen.“ „Ich komme gleich“, antwortete Mia noch leicht benommen. Sie fühlte sich, als wäre sie gerade aus einen schönen Traum erwacht. Doch irgendetwas war anders als sonst. Was war es nur. Plötzlich fiel es ihr ein und im Nu war sie hellwach. Die blöden Gedanken, sie waren weg. Auf einmal dachte sie gar nicht mehr daran was der Alex ihr in der Schule gesagt hatte. Die Zweifel, die wie mit dem besten Klebstoff der Welt in ihrem Kopf festgeklebt gewesen schienen, waren verschwunden. Natürlich gab es das Christkind, wie hatte sie jemals etwas anderes denken können?

Mia sprang auf und wollte gerade zu ihrer Mutter in die Küche rennen, da merkte sie wie ihr etwas aus der Hosentasche fiel. Eine kleine, goldene Walnuss zusammen mit ein bisschen glitzerndem Staub. Ganz behutsam hob Mia sie vom Boden auf. Warm und glatt fühlte sie sich an. Staunend betrachtete Mia ihren eigenen Weihnachtswunsch und wollte ihn schon fast wieder in ihre Hosentasche stecken, als die beiden Schalen der Nuss auf einmal auseinanderfielen. Im Inneren, verpackt in einer schützenden Wattewolke lag ein winziger Anhänger, der aussah wie ein Weihnachtself. In den Händen trug er einen Stern. Mia lächelte. Nun wusste sie es ganz sicher: Wünsche gehen in Erfüllung, man muss nur fest genug dran glauben. „Danke liebes Christkind“, flüsterte sie. „Ich habe mir so sehr gewünscht, dass es dich gibt“.

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