Im Augenblick. | Schwangerschaftsupdate – erstes Trimester.
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Schwangerschaftsupdate – erstes Trimester.

#Woche5  

Zwei blassrosa Striche. Mehr ist es nicht. Zwei blöde, schnöde blassrosa Striche auf einem Streifen Papier. Das war’s. Das ist der einzige Beweis für die vollkommen verrückte Tatsache: Da wächst ein Baby in mir. Seit einer Woche weiß ich nun, dass in mir drin aktuell zwei Herzen schlagen und gewöhnt habe ich mich an den Gedanken noch ganz und gar nicht. Am liebsten würde ich jeden Tag auf einen weiteren Test pinkeln, einzig um eine medizinisch belegbare Bestätigung dafür zu bekommen, dass ich nicht spinne. Dass mein Körper tatsächlich verrückt spielt und meine Gefühle nicht ohne Grund Achterbahn fahren.  Ich wache morgens mit einem flauen Gefühl im Magen auf, mein Kreislauf ist eher weniger als mehr stabil und wenn ich im Fernsehen die merci-Werbung sehe, habe ich Tränen in den Augen was besonders so kurz vor Weihnachten eher semioptimal ist, denn wenn es eine Zeit im Jahr gibt in denen schnulzige Werbespots Hochsaison haben, dann ist diese jetzt. Ich heule, wenn ich meiner Tochter und meinem Mann dabei zusehe wie sie gemeinsam Bauklötze bauen, einfach weil es so schön ist. Und dann heule ich weil ich beim Fahrradfahren schneller aus der Puste komme als sonst, weil das ja so schrecklich ist. Mal heule ich vor Freude oder Rührung, mal weil ich Angst vor den Veränderungen in meinem Leben habe. Meistens allerdings habe ich keine Ahnung warum ich grade heule und tue es trotzdem. Es ist verrückt.

Ich erwische mich nur allzu oft dabei wie ich versuche mir selbst einzureden ich solle mich mal nicht so anstellen. Ich frage mich ungefähr jede Stunde mindestens ein Mal ob ich mir das Alles nicht einfach nur einbilde. Vielleicht bin ich ja ein wahnsinnig guter Hypochonder. Oder ich bin schwanger. Bin ich echt schwanger?  Ich sag’s euch: Wenn ich immer einen Schwangerschaftstest machen würde, wenn ich das Gefühl habe ich bräuchte dringend einen Beweis für diesen herzschlagenden Zellklumpen in meinem Bauch, dann müssten wir Ende des Jahres Privatinsolvenz anmelden. Billig sind die Dinger schließlich nicht.

Ich kann mich noch an meine erste Schwangerschaft erinnern. Damals war es der Moment in dem ich bei der Vorsorgeuntersuchung Frejas Herzchen schlagen hörte, der mir nicht nur die Tränen in die Augen trieb (vor Rührung natürlich) sondern der mir auch endlich so richtig bewusst machte: Ich bin schwanger. Man sollte ja meinen, wenn man so eine Schwangerschaft schon mal erlebt hat, dann würde die zweite irgendwie realer. Aber das finde ich nicht. Ganz und gar nicht. Irgendwie macht die Tatsache, dass dieses Kind dessen Herz ich damals zum ersten Mal schlagen hörte nun mit mir am Esstisch sitzt und lautstark nach einem Nutellabrot verlangt, das Ganze noch viel unwirklicher. Irgendwann sitzt da nämlich noch so ein Kind und auch wenn ich keine Ahnung ob es Nutella genauso gerne mögen wird wie seine Schwester, so ist diese Vorstellung doch ziemlich abstrakt. Und irgendwie schön. Ziemlich schön. Ach verdammt, jetzt heule ich schon wieder.

Ich bin jetzt am Ende der fünften Woche und mein Baby ist nun so groß wie ein Sesamkorn oder eine Ameise oder ein Zuckertreusel sagt mir die App auf meinem Handy. Ich habe übrigens grade zum allerersten Mal die Worte „mein Baby“ getippt und wenn ich nicht sowieso schon heulen würde, dann würde ich jetzt damit anfangen. Mein Baby.

Ja, ich bin schwanger mit einem kleinen Zuckerstreusel, dessen Herz bereits schlägt und der mein Leben schon jetzt auf dem Kopf gestellt. Auch wenn sich an unserem Alltag im Grunde nicht sonderlich viel geändert hat, außer der Tatsache dass ich panisch den Raum verlassen muss wenn es seltsam riecht, so ist doch alles anders. Alleine das Wissen darum, dass wir bald zu viert sein werden oder es im Grunde schon sind, verändert etwas von dem ich euch nicht mal sagen kann was genau es ist. Ich schätze es ist die Ahnung davon, dass das größte Abenteuer meines Lebens soeben in die zweite Runde gegangen ist. Es hat angefangen. Unwiderruflich. Und wenn ich ehrlich bin, so brauche ich vielleicht doch keinen einzigen Schwangerschaftstest. Denn wenn ich innehalte, wenn ich mich traue zu fühlen, mich einzulassen mit Haut und Haaren, dann spüre ich dass es da ist. Mein Baby. Welch’ ein Glück.

#Woche9

Was ´ne Scheiße. Mir ist übel. Es ist ein bisschen als hätte ich einen zünftigen Kater, mit dem Unterschied, dass ich weder eine Tablette dagegen nehmen kann, noch die vielversprechende Aussicht darauf habe, dass es spätestens dann besser wird, wenn wir am Abend eine Pizza mit doppelt Käse bestellen. Und außerdem gab es noch nicht einmal eine vernünftige Party.

Statt mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, schlafe ich abends schon auf der Couch ein und statt Bier zu trinken, ernähre ich mich momentan von Toastbrot mit Butter und Salz wobei alleine der Gedanke daran etwas Anderes essen zu müssen schon reicht um in mir einen mehr oder weniger leichten Brechreiz auszulösen. Selbst mein morgendlicher Kaffee löst bei mir waschechten Ekel aus und das eine Mal als ich versucht habe mir trotzdem einen zu machen, weil hey, ich LIEBE schließlich Kaffee, endete mit dem kostbaren Milchschaum in der Toilettenschüssel. Übelkeit:1, Ich:0.

Und so gebe ich mich geschlagen, lutsche Toastbrot, trinke Tee und mache Mittagsschlaf. Wir stecken mitten in den letzten Weihnachtsvorbereitungen, Franz hat Urlaub und ich somit die Möglichkeit Innezuhalten, zur Ruhe zu kommen, besinnlich zu werden. Dachte ich. Doch in der Realität schimpfe ich darüber, wenn mir mal wieder schlecht wird, weil es irgendwo seltsam riecht, hasse es, wenn ich schon morgens um elf nicht anders kann als mich für einen vorgezogenen Mittagsschlaf hinzulegen und beschwere mich darüber, dass ich schon jetzt dauernd aufs Klo muss. Wo zum Teufel soll das bloß noch hinführen?

#Woche11

Es ist der letzte Tag des Jahres 2018. Silvester. Mir war es immer schon wichtig den Jahreswechsel gebührend zu feiern, mit Menschen die mir wichtig sind, mit Wünschen die in dieser einen Nacht vielleicht ein klein wenig realistischer scheinen als sie sich sonst anfühlen. Damit das Vergangene Revue passieren zu lassen und das Neue Willkommen zu heißen. Ich mag es Silvester groß zu feiern, doch in diesem Jahr ist mir nach etwas Anderem. Ich möchte diesen einen Abend nur mit meinem Mann verbringen. Wir beide, zusammen und voller Erwartung auf ein neues Jahr, das in unserem Familienleben so viel verändern wird.

Nachmittags gehen wir mit Freja in den Zirkus. Wir lachen über den Clown, klatschen den Artisten und essen Popcorn bis Freja den Bauch rausstreckt, sich mit der flachen Hand darüberstreicht und sagt: „Jetzt kann das Baby auch Popcorn essen“. Wie jeden Abend schläft sie im Wohnzimmer auf meinem Arm ein, während sie meinen Zopf in ihren Fingern hin und her dreht und als ich sie in ihr Bett lege, bleibe ich einen Moment lang stehen und bin so dankbar für dieses wunderbare Kind das mir so viel vom Leben zeigt, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte.

Die letzten Stunden des Jahres verbringen Franz und ich auf unserer Couch mit Ofenkäse und einem Film, der nicht einmal sonderlich gut ist. Im Grunde ist es ein vollkommen gewöhnlicher Abend, trotzdem fühlt er sich besonders an. Es ist als würde ich in Franz Armen verschwinden, seine Nähe einatmen können, sie speichern für die turbulenten Veränderungen die in den nächsten Monaten auf uns zukommen.

Um Mitternacht sitzen wir in unserem Bett, sein Arm um meine Schultern, seine Hand auf meiner. Wir haben die Vorhänge beiseitegeschoben und während draußen die Raketen zum Himmel steigen hören wir unsere Tochter im Schlaf leise murmeln. Ich kann es kaum beschreiben, dieses Gefühl das ist wie kein anderes. Es ist das Gefühl von Familie. Das Gefühl Ehefrau zu sein. Das Gefühl Mutter zu sein und Mutter zu werden. Wir sind schon zu viert, dort auf unserem Bett während die Raketen in den Himmel steigen und auch wenn ich unser Baby noch nicht spüren kann, so habe ich es doch noch nie so sehr gefühlt, wie in diesem Moment als Franz seine Hand auf meinen Bauch legt und mich genau um Mitternacht küsst.

#Woche14

Es ist kurz vor sechs am Morgen. Ich liege im Bett und während der Regen ans Schlafzimmerfenster prasselt, höre ich wie unten im Flur die Tür ins Schloss fällt. Alleine bei dem Geräusch kneife ich die Augen zusammen, um die aufsteigenden Tränen wegzublinzeln. Ich fühle mich alleine. Seit zwei Wochen hat Franz einen neuen Job und seit zwei Wochen geht er morgens aus dem Haus bevor wir wach sind und kommt wieder wenn zumindest Freja bereits schläft. Ich weiß, dieses Szenario ist Alltag in vielen Familien, doch bei uns war es das noch nie und grade jetzt fällt es mir schwer mich darauf einzulassen, selbst wenn ich weiß, dass es auf Dauer so nicht bleiben wird. Mir ist noch immer übel und alleine der Gedanke gleich Frejas volle Windel zu öffnen, reicht um mich zum Aufstehen zu bewegen und kurz nochmal nachzusehen ob der Eimer noch neben der Wickelkommode steht.

Franz’ neuer Job ist eine großartige Chance, nicht nur für seine berufliche Weiterentwicklung, sondern auch für uns als Familie. Als das Angebot letztes Jahr kam, war mir sofort klar: „Das musst du machen“. Doch wie bei allem was sich lohnt, steht am Anfang die Investition. Die Veränderung. Und grade jetzt wo sich doch in mir drin schon gefühlt täglich irgendetwas verändert, würde ich manchmal liebend gerne wieder zurückkehren zu unserer alten Routine.

Es ist ein seltsamer Zustand in dem ich mich befinde, ein bisschen so als würde die neue Situation alle Ängste, alle Zweifel, alle offenen Fragen an die Oberfläche holen. Mir wird auf einmal wieder so richtig bewusst, was es bedeutet Mutter eines Babys zu sein und ich frage mich ob ich dem Alltag mit zwei Kindern gewachsen sein werde. Ich mache mir Gedanken über Dinge die ich zeitweise auf Eis werde legen müssen, dabei habe ich sie doch grade erst wiedergewonnen. Dinge wie meinen Job, wie ab und zu eine Party oder auch einfach Schlaf im Allgemeinen. Was ist mit meinen Plänen, meinen Visionen, meinen Träumen?

Abends, als Freja schläft, sitze ich im Wohnzimmer und sehe mir Fotos an von unserer ersten Zeit als Familie. Ich sehe mir die Bilder an und erinnere mich an dieses Gefühl von Vollständigkeit, das uns von der ersten Sekunde begleitete. An die Selbstverständlichkeit mit der ich plötzlich Mutter war. Und an die Liebe, die so viel größer war als jeder Verzicht, jede Herausforderung und jedes Problem hätte sein können. Und da, ganz plötzlich, ganz klein spüre ich es. Ich spüre es wie winzige Luftblasen die in meinem Bauch aufsteigen wie die Kohlensäure an einem Wasserglas. Ich kenne dieses Gefühl gut und auch wenn ich es nunmehr über zwei Jahre nicht gespürt habe, so ist es mir so vertraut, als sei es nie weg gewesen. Ganz vorsichtig lege ich die Hand auf meinem Bauch und noch einmal, diesmal noch deutlicher als vorher, merke ich wie es sich in mir bewegt. Mein Baby.

In diesem Moment spüre ich ganz deutlich, dass in mir etwas passiert das so viel bedeutsamer ist, als alles andere. Ich spüre, dass ich es schaffen werde, genau so wie ich es schon mal erlebt habe. Es ist nicht so, als seien meine Zweifel und Ängste plötzlich verschwunden und meinen Mann vermisse ich auch noch, aber trotzdem fühlt es sich so an als sei alles richtig, ganz genau so wie es ist, als müsse es so sein. Meine Situation ist noch genau dieselbe wie wenige Momente zuvor, was sich aber verändert hat ist die Tatsache, dass ich mich mit einem Mal drauf einlassen kann. Dass ich plötzlich vertraue. Meinem Kind. Meinem Leben. Ja, was ist mit meinen Plänen, meinen Visionen, meinen Träumen? Genau weiß ich es nicht, aber ich habe da so eine Ahnung, dass es da in mir jemanden gibt der mir hilft es herauszufinden.

Lust auf mehr? Dann schau‘ doch mal bei Instagram vorbei. 

1 Comment
  • Avatar
    Ruth Keller
    Posted at 21:02h, 03 Mai Antworten

    Wenn ich deinen Text lese ist es so als würde jemand anderes mir von meiner eigenen Schwangerschaft erzählen. Nur das ich es nicht so wunderbar in Worte fassen kann.

    Wunderbar wie du erzählst

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