Im Augenblick. | Schwangerschaftsupdate – Woche15 bis Woche19.
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Schwangerschaftsupdate – Woche15 bis Woche19.

#Woche15  

Es hat geschneit, Freja braucht neue Handschuhe, ich muss mich noch um die Buchhaltung kümmern. Was essen wir eigentlich heute Abend, warum ist der Pudding schon wieder leer und wann wollte ich mich nochmal mit meinem Bruder treffen? Ich würde gerne Sport machen später, aber ob Franz rechtzeitig zurück ist? Komm‘ wir spielen Bauklötze, oder sollen wir lieber puzzeln? Hab ich alles gepackt für das Fotoshooting morgen und wo war nochmal der Treffpunkt? Verdammt warum bin ich bloß so müde? Oh stimmt, ich bin ja SCHWANGER.

Es geht mir besser, wesentlich besser. Übel ist mir nur noch ganz selten und auch die Kreislaufprobleme halten sich mittlerweile in Grenzen und oh ja, ich genieße es. Ich genieße es so sehr mich ein Stück weit wieder zu fühlen wie ich selbst, dass ich mich manchmal beinahe erschrecke wenn mir wieder einfällt: Ich bin schwanger. Gute 10 Zentimeter soll es jetzt groß sein, das Baby in meinem Bauch und obwohl ich es ziemlich oft einfach vergesse, so habe ich doch das seltsame Gefühl als hätte es sich zur Aufgabe gemacht mein ganzes Leben gehörig umzukrempeln.

Ich mache mir Gedanken über Dinge die ich zuvor  im Traum nicht in Frage gestellt hätte. Ich beginne damit mein berufliches Leben vorsichtig umzukrempeln, traue mich neue Visionen nicht nur theoretisch durchzuspielen, sondern tatsächlich danach zu handeln. Es sind keine großen Schritte die ich tue, und sie machen mir nicht ein mulmiges Gefühl, aber zum ersten Mal in meinem Leben habe ich den Mut sie trotzdem zu gehen.

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich dieses handschalengroße Menschlein in mir ist, das meine ganz eigenen Bedürfnisse und Wünsche so sehr an die Oberfläche holt, dass ich sie gar nicht mehr übersehen kann, selbst wenn ich es wollte, aber ich merke, dass etwas in mir passiert. Etwas, das neu ist. So neu, dass ich es noch nicht wirklich zuordnen kann, aber intuitiv beginne danach zu handeln. Ich finde sie schön, die Vorstellung, dass sich mit einem neuen Leben auch eine ganz neue Perspektive auf meinen eigenen Weg in mir entwickelt. Dass sich mit einem neuen Mensch auch immer neue Möglichkeiten eröffnen und, dass mich mein Baby schon jetzt, so klein und unscheinbar es auch sein mag, dazu bringt meine eigenen Grenzen zu verschieben.

So angekommen ich mich in meiner Familie auch fühle, so verloren fühle ich mich manchmal, was meinen beruflichen Weg angeht. Ich arbeite als Fotografin und ich mag meinen Job. Trotzdem bleibt am Ende immer ein leicht schales Gefühl von: Da muss doch noch mehr sein. Das war nicht immer so, aber schon seit einiger Zeit ist es, als sei ich ständig auf der Suche nach diesem „mehr“. Nach den 100 Prozent. Nach dem Weg der sich so sehr nach mir anfühlt, dass ich nicht anders kann als ihn zu gehen.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich in schätzungsweise weniger als einem halben Jahr ein zweites Kind bekomme, kommt mir meine Suche nach beruflicher Erfüllung oft etwas absurd vor. Ist jetzt nicht die Zeit um innezuhalten? Ist jetzt nicht die Zeit um mich vorzubereiten auf das was kommt? Ist es nicht vollkommen verrückt über meinen Job nachzudenken, wo die größte Veränderung in meinem Familienleben doch so kurz bevorsteht? Sollte ich mich nicht darauf konzentrieren Mutter zu sein? Die vernünftige Antwort auf all‘ diese Fragen ist wahrscheinlich ein ganz schlichtes „ Ja“. Und doch fühlt es sich so richtig an, mich GRADE jetzt mit mir selbst auseinanderzusetzen, auch abseits von meiner Rolle als Mutter. GRADE jetzt fühlt es sich gut an neue Schritte zu wagen. GRADE jetzt ist mir danach Rahmenbedingungen zu ändern, anzupassen und mich von Dingen zu trennen, die mich nicht mehr glücklich machen. Ich glaube, das ist das Baby.

Vor drei Jahren als ich mit Freja schwanger war, dachte ich noch es gäbe ein Leben „Vor-Kind“ und eines „Nach-Kind“. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass ich nie wieder Raum haben würde, für irgendetwas anderes, geschweige denn für mich selbst. Ich habe damals nicht gewusst, dass meine Tochter mich so viel mehr zu mir bringen würde, als ich es jemals alleine gekonnt hätte. Selbstverständlich ist es nicht leicht, Job und Familie zu verbinden und Rahmenbedingungen zu schaffen, die beides möglich machen, glaubt mir, daran arbeite ich noch. Doch das ist gar nicht mein Anliegen. Mein Anliegen ist es, einen Weg zu finden auf dem ich mich beruflich ebenso angekommen fühle wie in meiner Familie. Einen Weg, den ich ebenso selbstverständlich gehe, ungeachtet aller Herausforderungen und Probleme, einfach weil ich ihn aus tiefstem Herzen gehen WILL. Und wer sollte mich besser darin unterstützen können ihn zu finden, als meine Kinder, die nichts anderes von mir erwarten als dass ich zu 100 Prozent ich selbst bin. Das tun sie anscheinend ja schon, noch bevor sie überhaupt geboren sind: Gute 10 Zentimeter soll es jetzt groß sein, das Baby in meinem Bauch und obwohl ich es ziemlich oft einfach vergesse, so habe ich doch das seltsame Gefühl als hätte es sich zur Aufgabe gemacht mein ganzes Leben gehörig umzukrempeln.

Und so sitze ich hier, zweifle, hinterfrage und erkläre mich zuweilen für verrückt, aber was am Ende bleibt ist das Gefühl, dass der Weg  an dessen ersten Schritten ich mich grade noch so zaghaft versuche, vielleicht jener sein könnte, der mich genau dorthin bringt wo ich sein will. Zu mir. Nicht nur in der Familie, sondern auch im Job.

#Woche16

Ich habe Entscheidungen getroffen. Ich traue mich den Fokus auf die Dinge zu legen, die ich tun WILL und nicht ausschließlich auf jene von denen ich denke ich SOLLTE sie tun. Wir werden in Zukunft wesentlich weniger Hochzeiten fotografieren, stattdessen Familien. Die Verantwortungsbereiche sind neu aufgeteilt. Ich schreibe viel und wenn ich auch noch nicht alles veröffentliche, so fühle ich mich doch seltsam zufrieden, wenn ich den Laptop zuklappe und weiß: Ich tue da etwas, das fühlt sich so richtig an. Auch wenn ich noch keine Ahnung habe wohin es mich führen wird.

Ich kann es nicht beschreiben dieses Gefühl auf dem Weg zu sein. Ich kann nicht sagen, wohin er mich führt, ich weiß nicht wo ich ankommen werde, aber es fühlt sich gut an ihn erst einmal einfach zu gehen. Schritt für Schritt für Schritt. Tag für Tag für Tag. Mit einem Baby in meinem Bauch, das mich auf seltsame Weise dazu zu bringen scheint, zurückzukommen dorthin wo alles anfängt. Zurückzukommen zu mir.

Die meiste Zeit merke ich gar nicht, dass ich schwanger bin. Ich fiebere nicht wie damals bei Freja auf den nächsten Wochenwechsel, lese nicht ständig was nun in meinem Bauch passiert. Ich kenne meinen Körper und wo ich vor drei Jahren noch genug damit zu tun hatte, all die Dinge zu verarbeiten die mit ihm passieren, so ist es nun als könne ich in dieser zweiten Schwangerschaft meinen Blick nun auf die Dinge richten die in mir passieren. Innendrin.

#Woche17

Ich gebe zu, ich gehöre nicht unbedingt zu den Frauen, die ihre Schwangerschaft lieben und ihren Bauch hinterher vermissen. Ich empfinde diese neun Monate eher als eine Art Investition. Ohne Schwangerschaft kein Baby, so einfach ist die Rechnung und was sind schon ein paar Monate im Vergleich zu einem ganzen Leben? Ich finde Kinder, oder besser eine Familie zu haben ist das Allergrößte was ich mir nur vorstellen kann auf der Welt. Kinder zu kriegen, ist nun mal der Weg dorthin.

Und so würde ich mich zu 90 Prozent doch eher als relativ abgeklärt beschrieben was meine Schwangerschaft angeht vor allem, weil dieser Teil vorwiegend aus dem wachsenden Bauch, dem schnell aus der Puste kommen, den Kreislaufbeschwerden, dem unerbittlichen Verlangen nach Zucker in jeglicher Form, dem Verzicht auf Rotwein, trockenem Steak zum Essen und der immer größer werdenden Frage wie ich es schaffe zwei Kinder gleichzeitig ins Bett zu bringen, besteht.

Die restlichen 10 Prozent setzen sich hingegen aus Babytritten, Franz Hand auf meinem Bauch, der Vorfreude auf ein Leben zu viert und Frejas Kommentaren zu ihrem Geschwisterchen zusammen. Das ist der Teil bei dem ich mit rosa Herzchen durch die Gegend laufe und verliebt meinen wachsenden Babybauch streichle den ich im Alltag oft eher ein wenig lästig finde.

Ich freue mich auf unser Familienleben zu viert und gleichzeitig kann ich mir nicht ansatzweise vorstellen wie es sein wird. Das einzige was ich weiß ist, dass es sich trotz all’ meiner Beschwerden, meinem Schimpfen über meine zunehmende Eingeschränktheit und meiner Angst vor dem was auf mich zukommt, anfühlt wie das Richtigste was es nur geben kann auf dieser Welt. Ein neues Leben das alles verändern wird, das alles auf den Kopf stellt und dass mich auch zuweisen ganz schön auf mich selbst zurückwirft – und dass trotzdem, oder auch grade deswegen, nicht kostbarer, nicht wertvoller, nicht richtiger sein könnte.

#Woche18

Es ist drei Uhr morgens. Freja wälzt sich neben mir im Bett und immer wieder schüttelt sich ihr kleiner Körper vom Husten. Ich habe noch nicht geschlafen und werde es diese Nacht wohl auch nicht mehr tun, und zu allem Überfluss spüre ich ein Ziehen im Bauch. Ein Ziehen das mich beunruhigt.

Es ist weniger die Tatsache, dass es im Bauch zieht, als die Tatsache, dass mich dieses Ziehen nervös macht, die mir keine Ruhe lässt. Ich habe Angst. Angst um mein Baby. Angst, weil ich eine Situation nicht einschätzen kann, obwohl ich behaupten würde meinen Körper sehr gut zu kennen und die meisten seiner Reaktionen intuitiv einordnen zu können. Und so liege ich wach, einem Arm um meine Tochter, deren Brust sich nach drei Stunden voller Husten nun endlich ganz ruhig hebt und senkt, die andere Hand liegt auf meinem Bauch und wartet angespannt auf das nächste Ziehen. Erst als die Dämmerung langsam das Zimmer erhellt, falle ich in einen unruhigen Schlaf aus dem ich nur eine halbe Stunde später wieder aufgeweckt werde. Freja zieht an meinem Zopf und verlangt nach Müsli. Kein Husten. Kein Fieber. Im friedlichen Licht des frühen Morgens erscheint mir die Nacht fast wie ein Spuk. Doch plötzlich ist es wieder da, ganz leicht nur, aber nicht zu verkennen: Ein Ziehen im Bauch.

Weil an Kindergarten nicht zu denken ist, rufe ich meine Mutter an. Ich beschließe zum Arzt zu fahren, nur zur Sicherheit. Freja bleibt bei Oma, ohne die ich manchmal wirklich nicht weiß was ich tun würde. Eine halbe Stunde später sitze ich nervös im Wartezimmer, ich werde direkt aufgerufen und als mir der Arzt sagt „Alles in bester Ordnung“ kann ich nicht verhindern, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Alles in Ordnung. Das kleine Herzchen in meinem Bauch schlägt.

Als ich die Praxis verlasse, rinnen die Tränen über mein Gesicht. Ich bin selbst überrascht von der Heftigkeit meiner Gefühle. Der Gedanke daran, meinem Baby könne etwas passiert sein, hat es mir auf seltsame Weise so nahegebracht, das Leben in mir drin so real werden lassen. Meine Liebe für dieses ungeborene Kind so spürbar gemacht. Ich bin so erleichtert, dass noch ein paar Minuten im Auto sitze, die Hand auf meinem Bauch und zum ersten Mal mit meinem Baby rede. „Hey“, flüstere ich. „Wie schön, dass es dir gut geht“. Und mit dem Wissen, dass alles in Ordnung ist und dem festen Vorhaben alles zu tun um diesem Menschlein die beste Mutter zu sein die ich sein kann, fahre ich nach Hause zu meiner eigenen Mutter und meiner Tochter. Alles ist gut.

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