Im Augenblick. | Verlieben? Wie geht das?
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Verlieben? Wie geht das?

Verlieben? Wie geht das? 

Warum man besser nicht auf Frauenzeitschriften hört.

 

Ich war achtzehn Jahre alt als ich mich von meinem ersten Freund trennte. „Ach komm“, dachte ich.“ Du wirst dich schon schnell wieder verlieben.“ Das sagte man doch so. Mit achtzehn war schließlich genau die richtige Zeit dafür. Studentenleben, Großstadt, lange Partynächte, all das hatte ich noch vor mir. Genug Gelegenheiten für die Liebe. Dachte ich.

Doch da hatte ich falsch gedacht. Klar gab es den ein oder anderen Mann, doch eine richtige Beziehung wurde nie daraus, ganz gleich wie sehr ich es mir auch wünschte. Es gab Tage an denen redete ich mir ein „überzeugter Single“ zu sein. Frei, unabhängig, unnahbar. Doch das war ich nicht. Das war ich nie und ich glaube das ist niemand. Es war einfach nur eine gute Möglichkeit nicht spüren zu müssen, wie traurig es mich machte, dass ich nichts ändern konnte. Man verliebt sich eben nicht auf Knopfdruck, auch wenn sämtliche Frauenmagazine einem das nur allzu gerne verkaufen möchten.

„So findest du den Richtigen“. „10 Wege in die Liebe“. „Mr. Right wartet schon auf dich“. So heißen Artikel, die unzähligen Frauen erklären wollen wie sie ihren größten Wunsch erfüllen können. Darin wird ihnen dann geraten: „Ziehe dir schöne Unterwäsche an, dann fühlst du dich garantiert sexy und selbstbewusst“, „Betrachte dich jeden Morgen im Spiegel und wiederhole zehn Mal: Ich bin schön“, oder: „Sei mit dir selbst im Reinen, dann bist du auch für andere attraktiv.“

Ich bin ehrlich: Ich habe es ausprobiert. Ich habe mir Spitzen BHs und Höschen gekauft, darin soll man sich ja schließlich „schön und selbstbewusst“ fühlen. Doch jedes Mal, wenn ich sie trug, habe ich das spätestens zehn Minuten später wieder vergessen. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich denke eben nicht pausenlos an meine Unterwäsche, egal wie schön sie sein mag. Ich habe mir auch vor dem Spiegel gesagt, dass ich mich schön finde. Ich habe sogar einen Aufkleber auf meinem Badezimmerspiegel mit der Aufschrift „Ich bin schön“. Doch wenn man sich morgens im Halbschlaf und mit völlig zerzausten Haaren selbst ins Gesicht sieht, hat man besseres zu tun als sich zu sagen, wie schön man ist. Zum Beispiel Zähneputzen.

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Ich habe also relativ schnell gemerkt, dass diese Artikel, um ehrlich zu sein, vollkommen bescheuert waren. Trotzdem habe ich sie noch oft gelesen, denn dann wusste ich, dass noch viele andere Menschen dieselben Probleme hatten wie ich. Und das ist ja immer irgendwie tröstlich. Gebracht hat das Ganze im Endeffekt aber höchstens, dass ich immer frustrierter wurde – es war doch augenscheinlich ganz leicht. Warum klappte es dann nicht?

Ich kannte den Grund nicht, also ging ich auf die Suche danach. Nicht mehr in irgendwelchen oberflächlichen Artikeln mit schönen Bildchen von glücklichen Paaren. Sondern in mir selbst. Ich wollte die Gründe für meine nicht vorhandenen Beziehungen nicht mehr bei den Männern suchen. Ich wollte wissen, was ich damit zu tun hatte, nur so konnte ich schließlich etwas ändern. Also hörte ich auf mich zu verabreden und beschloss, mich erst wieder auf jemanden einzulassen, wenn ich mich so richtig verliebt hatte. Statt Dates zu haben, beschäftigte ich mich mit meiner Vergangenheit und gewann viele überraschende Erkenntnisse. Oft war ich erstaunt, wie viele  automatische Verhaltensmuster oder tief verankerte Glaubenssätze in mir steckten, die mir nicht nur im Wege standen sondern meine Wünsche und Träume sogar boykottierten. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass alles was in meinem Leben passiert, etwas mit mir zu tun hat, ich muss nur herausfinden was es ist.

Ich muss sagen, dieser Weg hat mit Sicherheit nicht soviel Spaß gemacht, wie Unterwäsche-shoppen gehen aber er hat mir soviel mehr gebracht als jedes Spitzenhöschen es je tun könnte.  Heute lese ich keine Frauenzeitschriften mehr. Nicht, weil ich  mich irgendwann bewusst dazu entschieden habe, sondern einfach weil sie mich nicht mehr interessieren. Ich brauche keine „10 Wege in die Liebe“ mehr. Ich bin meinen schon gegangen. Und ganz ehrlich – eigentlich macht die Spitzenunterwäsche ja auch erst mit dem passenden Mann so richtig Sinn.

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