Im Augenblick. | Wir heiraten.
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Wir heiraten.

Wir heiraten.

Der Tag an dem wir beschlossen einen Ring zu kaufen.

 

Es war Samstagvormittag, eigentlich ein ganz und gar gewöhnlicher Morgen. Wir schliefen lange, er länger als ich. Ich las die letzten Seiten eines Buches, eines Thrillers dessen Namen ich vergessen habe. Wir genossen es einfach zusammen zu sein, ohne zu reden, ja sogar ohne uns anzusehen. Meine Hand ruhte auf seiner, sein Arm umschlang meine Schultern, während er noch döste und ich mein Buch zuklappte.

Es war Samstagvormittag, eigentlich ein Morgen so wie wir ihn oft verbringen, wenn wir die Zeit dazu haben. Ich sagte es bereits, im Grunde ganz gewöhnlich. Und doch wurde eben dieser Samstagvormittag zu einem Tag, an den ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde. Es war beinahe ein Uhr als wir beschlossen zu heiraten.

Erst einen Tag vorher hatten wir uns gestritten. Ich kann mich nicht einmal mehr an den Grund erinnern, ich weiß nur noch wie ich hinterher glücklich und erleichtert in seinen Armen lag und fühlte wie sehr ich diesen Mann liebte. Dieser Streit, er war wie ein Spuk, ein Schatten aus der Vergangenheit, dem wir für einige Minuten gestatteten sich zwischen uns zu legen, doch nun war er vorbei und anstatt mich zu erschöpfen zeigte er mir klar und deutlich, was in meinem Leben das Wichtigste war.

Wir hatten schon oft darüber gesprochen zu heiraten und an jenem Samstagmorgen machten wir nun Nägel mit Köpfen. Wir beschlossen einen Ring zu kaufen. Gemeinsam. Denn man braucht einen Ring wenn man sich verlobt. Einen Heiratsantrag mit roten Rosen und Kniefall gab es nicht. Nur ein paar geflüsterte Worte, die mein Ohr kitzelten: „Willst du mich heiraten?“. Sie waren so viel schöner als jede Rose hätte sein können. Ja. Ja. Ja. Ich konnte es gar nicht oft genug sagen.

Mittlerweile war es halb zwei, noch eine halbe Stunde bis Ladenschluss, zumindest wenn man in einer Kleinstadt lebt. Ein notdürftiges Make-Up und die Jeans von gestern mussten reichen. Nur meine Haare band ich noch ordentlich zu einem Zopf und ich tupfte ein wenig Parfum auf meine Halsbeuge. Ich hatte mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht wie es sein würde einen Verlobungsring zu kaufen , aber ich kann sagen, es fühlte sich ein bisschen an wie Weihnachten. Und an Weihnachten macht man sich ja schließlich auch schick.

Wir betraten den Juwelierladen und fragen nach Verlobungsringen. Die Verkäuferin hörte gar nicht richtig zu und griff zielsicher und vollkommen desinteressiert nach einer Schachtel voller goldener Eheringe. „Nein“, sagte ich. „Keine Eheringe. Wir möchten einen Verlobungsring“. „Sie meinen einen mit Stein oben drauf?“ Nicht besonders freundlich und sichtlich irritiert zog die Verkäuferin eine Augenbraue hoch. „Ja“, antwortete ich. „Genau“. Zwei Minuten später lagen vor mir auf dem Tisch sechs verschiedene Ringe. Alle mit Stein. Und alle nicht besonders schön.

Wir wollten gerade schon gehen, da sah ich unter der Glasscheibe des Tresens einen wunderschönen Ring. Die Verkäuferin holte ihn heraus, ich probierte ihn an und er passte perfekt. „Den nehmen wir.“ Nun lächelte selbst die schlechtgelaunte Verkäuferin. Sie entfernte das Preisschild und reichte ihm den Ring „Den wollen sie wahrscheinlich überreichen“, sagte sie.

Er hatte den Ring kaum in der Hand, da steckte er ihn schon an meinen Finger. Mein Herz klopfte, meine Hand zitterte leicht und ich war in diesem Moment definitiv die glücklichste Frau auf der Welt. Die Verkäuferin stand mit offenem Mund vor uns, so etwas passierte ihr wohl auch nicht alle Tage, jedenfalls wünschte sie uns mit einem strahlenden Lächeln ein wunderschönes Wochenende und fünf Minuten nachdem wir den Juwelierladen betreten hatten, standen wir wieder auf der Straße.

Wir sagten nichts. Er hielt mich ganz fest als wir nach Hause gingen und immer wieder sah ich hinunter auf meine Hand an der dieser wunderschöne Ring steckte als würde er schon immer dorthin gehören. Kurz nachdem wir wieder Zuhause waren, schlug der Kirchturm zwei Uhr. Ich schmiegte meinen Kopf in seine Halsbeuge und er hielt mich in seinem Arm, dem schönsten Ort den es für mich gibt. Ganz behutsam nahm er meine Hand, drehte seinen Kopf ein wenig und flüsterte in mein Ohr: „Willst du mich heiraten?“. „Ja“, sagte ich noch einmal. Ja. Ja. Ja.

1Kommentar
  • Nadi
    gepostet am 11:52h, 06 April Antworten

    Wow…du schreibst deine Texte so berührend. Ich saß hier, und hätte gerade fast angefangen zu weinen.
    Bleib wie du bist und mach weiter so. 🙂

    Liebe Grüße

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