Im Augenblick. | Zwiesprache mit meinem Körper.
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Zwiesprache mit meinem Körper.

Zwiesprache mit meinem Körper.

 

Heute ist der Tag X. Ein Tag den ich schon seit Monaten im Kopf habe und wenn ich an ihn denke, viele Gründe finde ihn um 24 Stunden zu verschieben. Morgen ist eben auch noch ein Tag. Aber heute, heute gibt es Wichtigeres zu tun und heute ist definitiv nicht der Tag um meinem Körper zuzuhören. Der ist nämlich seit geraumer Zeit nicht wirklich einverstanden mit dem was ich tue.

Das lässt mich allerdings weitgehend unberührt, habe ich doch eine Vielzahl hochwirksamer Strategien entwickelt um meine Sinne zu ködern und sie, wenn auch kurzfristig, hinters Licht zu führen. Mein Spiegelbild, dem ich in letzter Zeit nicht mehr ganz so begeistert gegenüberstehe, lässt sich jedoch nicht betuppen und beim genaueren Betrachten komme ich nicht umhin die Wahrheit zu erkennen. Ich sollte meinem Körper zuhören und meine ach so bequemen Strategien entlarven.

Meinem Körper – oder ist es meine Seele? – entweicht ein tiefer Seufzer. Eine kleine, fiese Stimme in meinem Kopf übernimmt noch einmal das Wort: „Das wird ein weiter Weg. Ob du das schaffst? So schlimm ist es doch gar nicht …“. „Stopp“, sage ich daraufhin entschlossen, bevor die aufkommende Wertlosigkeit mich träge und tatenlos werden lässt. „Ich glaube dir“. Nach etlichen Monaten der Ignoranz, des ausgeklügelten Schwindels und des stets folgenden Selbstmitleids keimt nun tatsächlich so etwas wie Mitgefühl für meinen Körper auf.

„Ich liebe dich doch. Du hast mich in fast 50 Jahren so gut wie nie im Stich gelassen. Wir haben gemeinsam vier wunderbare Kinder zur Welt gebracht und du hast dich trotz meiner mangelnden Unterstützung irgendwie selbst in Form gebracht. Du hast mir leidenschaftliche Erfahrungen geschenkt und kannst so sinnlich sein. Du hast mich schwimmend, kletternd oder laufend in Hochstimmung versetzt und mich eindrucksvoll gestoppt wann immer ich zur Ruhe kommen sollte. Und jetzt das.“

Ich fühle mich wie in einer echten Mogelpackung oder besser gesagt wie in einer gut gepolsterten Mogelpackung. Das tiefe Seufzen begleitet meine Gedanken, doch jetzt fühle ich mich meinem Körper verpflichtet. Eine jahrzehntelange tiefe Freundschaft verbindet uns. Ich hole tief Luft und spreche das aus was ich so lange erfolgreich ignoriert habe: „Ich halte wieder zu dir. Gemeinsam sind wir stark. Ab sofort lasse ich dich nicht mehr im Stich. Ich verspreche dir, ich bringe dich wieder in Bewegung. Und letztendlich auch wieder in Form.“

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